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Abschied

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 2 Min.

Weizenfelder, soweit das Auge reicht. Zwischen ihnen ein Dorf, bestehend aus einfachen Lehmhäusern. Carudi ist der Name, 50 Familien leben hier. Gänse und Kühe laufen auf Matschpfaden an mir vorbei. Die türkische Grenze ist zwei Kilometer entfernt. Als auf das Nachbardorf die türkischen Bomben abgeworfen wurden, flohen auch in Carudi mehr als die Hälfte der Bewohner. Die meisten von ihnen seien mittlerweile wieder zurückgekehrt, erklärt mir ein Mann namens Hevre. Es sei schließlich ihr Dorf, hier haben sie nach der Revolution 2012 den Großgrundbesitzer vertrieben, hier bauen sie sich grade ein Gemeinschaftshaus. Die Dorfbewohner haben Angst, einige seien aber zum Kämpfen bereit, sagt er. Im Dunkeln kann man die Lichter der türkischen Grenzanlagen sehen.

Am Tag darauf heißt es Abschied nehmen. Wir fahren Richtung irakische Grenze, lassen Qamischli und die umliegenden Dörfer hinter uns. Im Auto läuft der kurdische Klassiker »Kitane« von Sidar. Links und rechts der Straße pumpen unablässlich die Bohrtürme schwarzes Gold, in der Nähe steht eine einsame US-Basis. Dass es hier um Öl und strategische Interessen und nicht um die Menschen geht, kann kaum offensichtlicher sein.

Ankunft in Semalka, wo unsere Reise auch begann. Das letzte Geld zurückwechseln, Pässe und Arbeitserlaubnis ein letztes Mal vorzeigen. Mit unserem Fahrer Nabil tauschen wir Telefonnummern und kleine Geschenke aus, ich erhalte von ihm eine kubanische Zigarre. Und wünsche ihm, dass er hoffentlich bald wieder mit seiner Familie in Frieden leben kann. Ich befürchte jedoch, dass der Konflikt in Nordsyrien anhält, dass er als Krieg niederer Intensität von den Groß- und Mittelmächten fortgesetzt wird. Wir umarmen uns. Der nächste Journalist hat sich bei Nabil bereits angemeldet.

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