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Faire Preise für das braune Gold

Das neue Selbstbewusstsein der Kakaoanbauländer Ghana und Côte d’Ivoire

  • Von Evelyn Bahn, INKOTA
  • Lesedauer: 3 Min.

Zum Weihnachtsfest 2016 gab es für Kakaobauernfamilien eine böse Bescherung. Binnen weniger Monate war der Weltmarktpreis für Kakao um mehr als ein Drittel gefallen. Im Gegensatz zur Situation in der Côte d’Ivoire (Elfenbeinküste) konnte der Ab-Hof-Preis in Ghana zwar konstant gehalten werden. Doch die Regierung kürzte gleichzeitig Dienstleistungen für Kakaobauern und -bäuerinnen.

Drei Jahre später warten die Menschen in den Kakaoanbaugebieten in Ghana noch immer darauf, dass der Kakaopreis angehoben wird. Die Kakaobäuerin Elizabeth Osei Agyei erklärt: »Jedes Jahr werden die Preise für Lebensmittel teurer. Aber wir bekommen nicht mehr Geld für unsere Kakaobohnen.« Die Inflationsrate liegt bei über zehn Prozent und verschärft die Armut der Kleinbauern und -bäuerinnen in Ghana weiter. Der Spielraum für Preissteigerungen beim immer noch niedrigen Weltmarktpreis ist für die zuständige staatliche Behörde gering. Damit das westafrikanische Land nicht weitere Verluste verzeichnet, hat der Internationale Währungsfonds im April 2019 sogar empfohlen, den Ab-Hof-Preis zu senken und die Preisverluste über Mengenerhöhungen zu kompensieren.

Die Regierungen in Ghana und der Côte d’Ivoire wollen einen anderen Weg gehen. Nicht die Kakaobauernfamilien sollen das Risiko des schwankenden Weltmarktpreises tragen, sondern die Unternehmen der Kakao- und Schokoladenindustrie. Gemeinsam haben die beiden Länder angekündigt, dass Konzerne für jede Tonne Kakao ein sogenanntes Living Income Differential von 400 Dollar pro Tonne zahlen müssen - egal wie hoch der Weltmarktpreis liegt -, also einen garantierten Preisaufschlag als Beitrag zu den Lebenshaltungskosten der Kakaoproduzent*innen. Den Bauern und Bäuerinnen versprechen sie, den Ab-Hof-Preis von derzeit 1490 US-Dollar auf 1820 US-Dollar pro Tonne anzuheben.

Zwar wird mit diesem Preis die errechnete Lücke zu einem existenzsichernden Einkommen noch nicht geschlossen. Dennoch begrüßt Kakao-Expertin Sandra Kwabea Sarkwah von der INKOTA-Partnerorganisation SEND den historischen Schritt der Regierungen: »Ghana und die Côte d’Ivoire produzieren mehr als 60 Prozent des weltweit benötigten Kakaos. Sie sollten nicht Preisnehmer sein, sondern sich bei den anderen Akteuren der Wertschöpfungskette für einen Preis einsetzen, vom dem die Bauern und Bäuerinnen leben können.«

Entscheidend für den Erfolg des neuen Vermarktungssystems wird sein, ob höhere Kakaopreise wirklich bei den Bauern und Bäuerinnen ankommen. 30 Prozent des Exportpreises sollen künftig von den staatlichen Vermarktungsplattformen zurückgehalten werden - zur Deckung von Kosten für Dienstleistungen, für die Umsetzung eines Fonds und für die Abwicklung des Vermarktungssystems. Die Zivilgesellschaft in Ghana fordert daher transparente Rechenschafts- und Finanzberichte für die verwendeten Mittel. SEND-Ghana will 2020 eine Informationskampagne starten, um Kakaobäuerinnen und -bauern sowie die Öffentlichkeit über das neue System zu informieren. »Wir werden mit unseren Partnern sehr genau hinschauen, dass die Versprechen auch umgesetzt werden«, sagt Kwabea Sarkwah.

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