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Gemeinsam gegen den Hunger

In Nepal schließen sich die Bewohner*innen zu Dorfgruppen für Nahrungssicherheit zusammen

  • Von Wolfgang Zarth
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Kleinbäuerin Asmita Khatri sitzt vor ihrem Bauernhaus und pult zusammen mit ihren Töchtern Sarita und Tika Devi die Körner aus den getrockneten Maiskolben. Morgen zum Frühstück soll es Roti - ein dünnes, noch warmes Fladenbrot aus Maismehl - mit Bohnengemüse und warmer Milch geben.

Seit drei Jahren ist Asmita Khatri Mitglied einer der 135 Dorfgruppen im Landkreis Dailekh in Westnepal, die durch die Projekte zur Nahrungssicherheit vom Nepal-Team aus Hamburg gemeinsam mit SODI gefördert werden. Die Projekte werden vor Ort durch die nepalesische Nichtregierungsorganisation SAHAS Nepal durchgeführt.

Asmita Khatri erzählt: »Früher bestanden unsere Mahlzeiten ausschließlich aus Reis, Roti und Chili sowie Joghurt. Alle 14 Tage wurde zudem fürs ganze Dorf eine Ziege geschlachtet. Heute besitzen wir wie fast alle Familien im Projekt rund ums Haus einen großen Gemüsegarten, und wenn die Ernte gut ist, können wir Ingwer, Zwiebeln, Knoblauch und Chili sogar auf dem Markt verkaufen. Doch der Weg bis zum Markt in die Kreisstadt ist sehr lang und gefährlich. Ich laufe mit der Kiepe voller Gemüse auf dem Rücken bergauf und bergab, bis ich nach vier Stunden Dailekh erreiche. Wenn ich am nächsten Tag wieder zu Hause bin, habe ich 200 Nepalesische Rupien (1,70 Euro) verdient. Da allein unser Acker die Familie nicht ernähren kann, arbeitet mein Mann Bahadur neun Monate im Jahr in Indien als Hilfsarbeiter auf dem Bau.«

Asmita Khatris Ansatz geht über die eigene Familie hinaus: »Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern der Gruppe plane ich, Früchte aus unseren Gärten zu Marmelade und Saft zu verarbeiten und diese in Dailekh zu vermarkten. Das hat den Vorteil, dass die Ware nicht so schnell verdirbt und wir einen wesentlich höheren Verkaufspreis erzielen als für unverarbeitete Früchte. Wir hoffen, dass uns SAHAS bei der Vermarktung unterstützt.«

Durch die Mitgliedschaft in der Gruppe besitzt die 38-jährige Asmita inzwischen einen Büffel. Über die vom Projekt initiierte Spar- und Darlehensgruppe, in die sie monatlich zehn Rupien (8,5 Eurocent) einzahlt, schaffte sie sich ein Solarpanel an. Jetzt können ihre Kinder Sarita und Tika Devi noch nach dem Dunkelwerden im Schein der Lampe ihre Schularbeiten machen.

Das Nepal-Team arbeitet in Dailekh seit neun Jahren mit SAHAS zusammen, seit 2014 auch gemeinsam mit SODI. In dieser Zeit hat sich viel verändert. Bei einer Untersuchung vor Ort ermittelte das Nepal-Team 2012, dass in den Dörfern 76 Prozent der Kinder unter fünf Jahren unterernährt waren. Häufig litten Mütter im Teenageralter selbst an Mangelernährung.

Um die Situation zu verbessern, wird in den Meetings der SAHAS-Gruppen bei den Eltern das Bewusstsein über gesunde Ernährung gefördert, und es werden Schulungen für die Mütter unterernährter Kinder angeboten. Sie lernen einen nahrhaften Brei mit dem Namen Sarbottan Pitho zuzubereiten. Er besteht aus einem Teil Mais-, einem Teil Weizen- und zwei Teilen Sojamehl. Jetzt sind nur noch weniger als die Hälfte der Kinder unterernährt.

Mittlerweile hat Asmita in ihrer Gruppe viel über nachhaltige Landwirtschaft erfahren. Aktuell arbeitet SAHAS daran, dass sich Asmitas Gruppe und all die anderen zu einem mehrstufigen Netzwerk zusammenschließen. Ziel des Netzwerkes ist es, wie bei einer landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft für seine Mitglieder preisgünstig Saaten zu beschaffen, für sie einen guten Preis für die erzeugten Produkte zu erzielen und ihnen eine Stimme gegenüber den Behörden auf Dorf- und Kreisebene und darüber hinaus zu geben.

Unser Autor arbeitet für das Nepal-Team der Evangelisch-lutherischen Michaelis-Kirchengemeinde Hamburg-Neugraben.

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