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Kein guter Nachbar

Aktionsbündnis »Berlin vs. Amazon« startet Protest gegen Ansiedlung des Konzerns

  • Von Georg Sturm
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Widerstand gegen die geplante Ansiedlung von Amazon in Berlin nimmt Form an. Im Rahmen eines ersten Aktionstags will das Aktionsbündnis »Berlin vs. Amazon« am Samstag gegen den Internetriesen protestieren. Der Grund: Amazon plant, mit rund 3400 Beschäftigten des Entwicklungsbereiches an die Warschauer Brücke in Friedrichshain zu ziehen. Der Konzern hatte angekündigt, 28 der 35 Stockwerke des geplanten Hochhauses »Edge East Side« zu beziehen, das bis 2023 fertiggestellt werden soll.

Bereits im Oktober war Kritik an dem Bauprojekt aufgekommen. Bezirksbaustadtrat Florian Schmidt (Grüne) hatte einen neuen Wettbewerb für die Vergabe des Baus angestrebt, da sich die finalen Baupläne deutlich von den ursprünglichen Entwürfen unterschieden hatten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch, weil der Bezirk die Baugenehmigung bereits erteilt hatte.

Die geplante Ansiedlung Amazons rief nun mehrere stadtpolitische Initiativen auf den Plan. In dem Bündnis »Berlin vs. Amazon« haben sich Anwohner*innen, Künstler*innen sowie Aktivist*innen zusammengeschlossen. Gemeinsam warnen sie vor den Folgen eines unkontrollierten »WebTech-Urbanismus«. An Regionen wie San Francisco ließe sich diese Entwicklung gut nachvollziehen: Die Ansiedlung von Internetkonzernen habe dort zu enormen Mietpreissteigerungen, Obdachlosigkeit und einer wachsende Einkommensschere geführt.

Auch für Berlin rechnen die Aktivist*innen mit einer ähnlichen Entwicklung: »Wenn Amazon nach Friedrichshain kommt, droht sich die bereits angespannte Lage um ein Vielfaches zu verschärfen«, heißt es in einer Stellungnahme des Kampagnenbündnisses. Insbesondere ehemalige linksalternative und aktivistisch geprägte Nachbarschaften würden darunter leiden. »Die lebendige Kiezkultur mit einer diversen Einzelhandelsstruktur, alternativen Kulturräumen und langjährigen Anwohner*innengruppen wird mehr denn je unter Druck geraten«, so die Aktivist*innen. Der Zuzug von Amazon mache den Bezirk für die Ansiedlung von anderen Tech-Konzernen attraktiver. Das Bündnis befürchtet weitere Gentrifizierung und die Verdrängung von Kleingewerbe entlang der Warschauer Straße.

Das Ziel der Initiative ist daher klar: »Wir wollen verhindern, dass Amazon einzieht«, sagt Konstantin Sergiou von »Bizim Kiez« dem »nd«. Die Proteste gegen den Google-Campus im Jahr 2018 hätten gezeigt, dass Widerstand zum Erfolg führen kann. Damals war es dem Bündnis »No Google Campus« gelungen, die geplante Eröffnung eines Co-Working-Space für Start-ups im Kreuzberger Umspannwerk zu verhindern. Der Stadtraum an der Warschauer Brücke sei zwar ein anderer, erklärt Sergiou, aber die »extrem dynamische Stimmung« in dem Bündnis und die erfolgreiche Mobilisierung in der Nachbarschaft stimme ihn zuversichtlich.

Als Vorbild dienen den Aktivist*innen zudem die Anwohner*innen-Proteste gegen die Eröffnung einer neuen Amazon-Zentrale in New York. Dort wurde Anfang des Jahres die von der Stadt subventionierte Ansiedlung des Konzerns aufgrund massivem Widerstand verhindert.

Am Samstag startet das Bündnis den öffentlichen Protest: Ab 13 Uhr findet der Aktionstag »Die Stimmen der Warschauer Straße« auf dem Mittelstreifen der Warschauer Straße zwischen Kopernikus- und Gubener Straße statt. Über Lautsprecher sollen Anwohner*innen und Gewerbetreibende aus dem Kiez zu Wort kommen. Mit Bannern soll über das Geschäftsmodell von Amazon informiert werden. Zudem sind künstlerische Performances und partizipative Aktionen geplant.

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Der Widerstand gegen den Amazon-Turm ist für die Aktivist*innen Teil eines größeren Kampfes. Das Aktionsbündnis warnt nicht nur vor der Umwandlung von Großstädten in Tech-Hotspots durch den Zuzug von Konzernen wie Amazon, sondern kritisiert auch die ausbeuterische Praxis des Internetriesen. »Amazon ist ein Konzern, der massenhaft neuwertige Waren vernichtet, seine Mitarbeiter*innen ausbeutet, die nicht gerade im Entwicklungsbereich arbeiten, und auf seine Milliardengewinne keinerlei Steuern zahlt«, kritisiert Sergiou. Das Geschäftsmodell von Amazon sei »total gesellschaftsfeindlich«. Die Aktivist*innen kommen daher zu dem Ergebnis: »Amazon ist kein guter Nachbar.«

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