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Herthas B-Junioren

Vorbildlich - unter Vorbehalt

Die Meinungen über den Spielabbruch durch Herthas B-Junioren nach angeblichen rassistischen Beleidigungen von gegnerischen Spielern des VfB Auerbach gehen weit auseinander.

Von Alexander Ludewig

Sachsen? Fußball? Rassismus? Eindeutig! In der Beurteilung des Spielabbruchs durch das U16-Team von Hertha BSC am vergangenen Wochenende beim VfB Auerbach herrschte bei den meisten schnell Gewissheit. Auch für Richard Meng war klar, dass die Berliner und ihre Betreuer mit dem Verlassen des Spielfeldes nach angeblichen rassistischen Beleidigungen richtig gehandelt hatten. »Es ist wahrlich ungewöhnlich, dass ein Team so reagiert. Aber es ist konsequent und deshalb vorbildlich«, sagte der Präsident der Deutschen Olympischen Gesellschaft zwei Tage später und fügte an: »Die DOG wird die U16 von Hertha BSC deshalb mit einer Fairplay-Medaille auszeichnen.«

Wiederum zwei Tage später, am Mittwoch, korrigierte Meng seine Aussage: »Die Vergabe der Medaille steht natürlich unter Vorbehalt.« Jetzt will die DOG erst mal das Sportgerichtsverfahren des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) abwarten.

Was genau in Auerbach passiert ist, welche Worte wirklich auf dem Platz gefallen sind, das wird sich nur schwer aufklären lassen. Was aber hat Meng zum Umdenken gebracht? Ein Telefonat mit Volkhardt Kramer, Manager des VfB Auerbach. Die vorschnelle DOG-Ehrung von Herthas U16 rechtfertigte ihr Präsident dann wie folgt: »Die Berliner Berichterstattung war eindeutig.«

Der VfB Auerbach hat von Beginn an den Beschuldigungen von Hertha BSC widersprochen. Stattdessen beklagte der Klub »übelste Pöbeleien« der Berliner Spieler untereinander und gegen Auerbacher. Dass der sächsische Regionalligist kaum Gehör fand, mag auch an der medialen Wucht des Berliner Bundesligisten gelegen haben. Über Social-Media-Kanäle wurde ein Mannschaftsfoto samt Antirassismusmessage verbreitet - mittendrin der Spieler, der nach Beleidigungen in der Halbzeit geweint haben soll. Paul Keuter, Mitglied der Geschäftsführung, holte noch weiter aus: »Vielleicht ist diese Maßnahme ein Weckruf, dass wir alle gemeinsam - Spieler, Vereine, Verbände und Fans - endgültig dieses Problems Herr werden.«

Nichts wäre wünschenswerter. Das gilt auch für den zweiten Teil des Statements des ehemaligen Twitter-Managers: »In einer solchen Situation sind uns Werte und eine klare Haltung wichtiger als ein Sieg oder Niederlage auf dem Platz!«

Man muss für Hertha BSC hoffen, dass sich die Beschuldigungen als wahr herausstellen. Das Gegenteil wäre ein großer Schaden für das groß formulierte Anliegen. Für grundsätzliche Zweifel an der Haltung des Klubs gibt es keinen Anlass. So sorgte der Kniefall seiner Bundesligaspielern im Oktober 2017 als Zeichen der Solidarität mit US-Sportlern im Kampf gegen Rassismus für positive Aufmerksamkeit, wirkte für viele aber auch wie eine Werbeaktion. Herthas U16 ist in der Regionalliga einsamer Spitzenreiter, aber nicht aufstiegsberechtigt. Wenn das Team ein Spiel ohne Rücksicht auf vielleicht verlorengehende Punkte abbricht, ist das ein Zeichen - aber ohne die betonte sportliche Bedeutung. Als Herthas U23-Spieler Jessic Ngankam jüngst im Viertligaspiel von Leipziger Lok-Fans und einem Gegenspieler als »Affe« beschimpft wurde, blieben Konsequenzen aus.

Der VfB Auerbach macht seine Aufarbeitungsschritte öffentlich. So ließ er seine Spieler von einem Anwalt befragen. Von Hertha BSC war seit den unkonkreten Vorwürfen »rassistischer Beleidigungen« nichts mehr zu hören. Dem NOFV müssen der Klub in der geforderten Stellungnahme mehr bieten.