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Französische Kolonialwährung wird abgeschafft

Präsident Macron sucht in der Elfenbeinküste, Mali und in Niger nach Verbündeten und stellt sich der Vergangenheit

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron arbeitet weiter daran, den Beziehungen mit den ehemaligen Kolonien in Westafrika eine neue Orientierung zu geben. Bei einem dreitägigen Besuch in der Elfenbeinküste und in Mali wiederholte er seine klare Verurteilung des Kolonialismus, ungeachtet dessen, dass ihn diese Haltung in der Vergangenheit nicht wenig Sympathie in Frankreich gekostet hat. »Der Kolonialismus war ein schwerer Irrtum, ja ein Fehler der Republik«, sagte Macron.

In diesem Sinne war Ergebnis der Reise die offizielle Ankündigung Macrons, zusammen mit dem Präsidenten von Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, der die davon betroffenen acht westafrikanischen Länder vertrat, dass die dort gültige Währung »Franc CFA« abgeschafft und 2020 durch den »Ecu« ersetzt wird. Der Franc CFA (Colonies françaises en Afrique) war 1945 für die französischen Kolonien in Westafrika eingeführt und nach deren Unabhängigkeit als Währung der »Communauté financière africaine« beibehalten worden. Die Länder mussten die Hälfte ihrer Reserven bei der Banque de France deponieren. Im Gegenzug garantierte Paris die Konvertibilität mit dem Euro.

Zuletzt war der Franc CFA, dessen Geldscheine in Frankreich gedruckt wurden, offizielle Währung in Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, Guinea-Bissau, Mali, Niger, Senegal und Togo. Die Abschaffung des Franc CFA gehört zu den Anstrengungen von Macron, den besonders unter jungen Afrikanern verbreiteten Vorwürfen entgegenzutreten, Frankreich betreibe in seinen ehemaligen Kolonien Neokolonialismus. »Ich gehöre keiner Generation an, die den Kolonialismus noch gekannt hat, und viele der jungen Menschen, die uns Vorwürfe machen, auch nicht«, sagte er in einer Rede und versicherte, Frankreich suche in Afrika starke und selbstbewusste Partner und keine Vasallen.

Mit einer gemeinsamen Ehrung von neun französischen Soldaten, die im November 2004 durch Bomben eines Flugzeugs der Streitkräfte von Elfenbeinküste getötet wurden, legten die Präsidenten der beiden Länder den seither schwelenden bilateralen Konflikt um diesen Zwischenfall bei. Seinerzeit hatte das französische Militär die Aufgabe, in einem Bürgerkrieg die beiden verfeindeten Lager voneinander zu trennen. Als Vergeltung für den Tod der französischen Soldaten hatte der damalige Präsident Jacques Chirac die Vernichtung sämtlicher Militärflugzeuge der Elfenbeinküste durch einen französischen Bombenangriff angeordnet.

Bei einem Besuch bei französischen Soldaten, die im Rahmen der Operation »Barkhane« in Elfenbeinküste stationiert sind, unterstrich Macron die Bedeutung dieser gegen den islamistischen Terrorismus in der Region gerichteten »Zusammenarbeit Frankreichs mit seinen afrikanischen, europäischen und internationalen Partnern«. Insgesamt sind 4500 französische Soldaten in einer Wüstenregion stationiert, die sich von Mauretanien über Mali, Burkina Faso und Niger bis in den Tschad erstreckt und doppelt so groß ist wie Frankreich. Im November kamen 13 von ihnen bei einem Hubschrauberunfall während einer nächtlichen Operation in Mali ums Leben. Sicher nicht zuletzt, um den Nutzen von »Barkhane« zu unterstreichen, führten französische Militärs am Vorabend des Macron-Besuchs eine Operation gegen djihadistische Milizen durch, bei der sie 33 Terroristen töteten. Zum Abschluss seiner Afrikareise machte Macron in Niger Station, um in der Hauptstadt Niamey die vor Tagen bei einem Überfall islamistischer Terroristen gefallenen 71 nigrischen Soldaten zu ehren. Dabei sagte er in einer Rede, Frankreich wolle sich »nicht aufdrängen« und schicke nur Soldaten, wo diese auch willkommen seien. Der nigrische Präsident Mahamadou Issoufou erwiderte, er wünsche ausdrücklich »mehr Barkhane«, aber auch eine »respektvolle Partnerschaft« zwischen Frankreich und den Ländern, in denen die französischen Militärs stationiert sind.

Damit ist schon abzusehen, dass es heftige Diskussionen auf dem Gipfeltreffen geben wird, zu dem der französische Präsident seine Amtskollegen aus den fünf Ländern der Sahel-Zone für den 13. Januar in die Pyrenäen-Stadt Pau eingeladen hat.

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