Zeichnung: Antje Sachwitz

Links, feministisch, mit Style!

Feuilleton-Redakteurin Christin Odoj liebt es, nah an den Menschen zu sein

Von Katja Choudhuri

Ob Stefan Liebich wohl weiß, wie er den Lebensweg von Christin Odoj geprägt hat? Die Feuilleton-Redakteurin hatte den damaligen Landesvorsitzenden der PDS und Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus in einem TV-Bericht gesehen. »Ich war so überrascht, meinen ehemaligen Ferienlagerbetreuer im Fernsehen zu sehen, dass ich ihm einfach eine Mail geschrieben habe.« So landete sie schließlich als Praktikantin bei Liebich, der ihr die alles bedeutende Frage stellte: »Was hast du mit deinem Leben vor?« Ihre Antwort: »Politik und Journalismus.«

Da ist es nur logisch, dass Christin ihr Pflichtpraktikum während des Studiums (Politik, Geschichte und Literatur) beim »neuen deutschland« absolviert. Es gefällt ihr so gut, dass sie 2011, nach dem Magister in Jena als Volontärin zum »nd« kommt. Und sie bleibt. Zunächst als Redakteurin für Bildung und Soziales im Berlin-Ressort. Später wechselt sie zum Feuilleton, wo sie vor allem für die Begegnungsseite zuständig ist.

Christin Odoj liebt diese Arbeit: »Mein Traumjob in der nd-Redaktion. Er gibt mir die Möglichkeit, den verschiedensten Menschen sehr nah zu kommen. Ich nähere mich über die Geschichten der vermeintlich ›kleinen‹ Leute dem großen Ganzen an.« Sie betont, wie sehr sie es schätzt, »Zeit zum Schreiben« ihrer Geschichten und Porträts zu haben. Ihr ist bewusst, dass es bei den Kollegen in anderen Ressorts der Tageszeitung oft hektischer zugeht, was auch ein Grund dafür ist, warum sie sich seit mehreren Jahren im Betriebsrat engagiert.

Mit ihren sensiblen Porträts bereichert Christin nicht nur die Printausgabe von »nd.DieWoche«. Ebenso gelingt es ihr, eine eher jüngere und digital affine Leserschaft mit ihren Texten anzusprechen. 2018 stellt sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Jan Brock »Supernova« auf die Beine: ein Onlinemagazin für linken Journalismus. Journalismus mit Haltung, ergänzt Christin lachend - »links, divers, feministisch und mit Style!« Wie sehr diese Beschreibung passt, merkt man im Gespräch mit der entspannten und sehr lässigen Mutter eines kleinen Sohnes.

Nach dem erfolgreichen Start der Plattform geht Christin erst mal in Elternzeit. Sie genießt die Zeit und freut sich dennoch auf die Arbeit. Seit Kurzem ist sie wieder zurück in der Redaktion.

Christin ist gebürtige Berlinerin, »in dritter Generation«, wie sie stolz erzählt. Aufgewachsen im Stadtteil Köpenick, verbrachte sie ihre Schulzeit sehr sportlich. »In der Grundschule war ich hauptsächlich mit Jungs befreundet.« Die weckten auch ihr Interesse für den Fußball. »Ich habe dann eine sogenannte Eliteschule des Sports besucht.«

Nachdem sie einige Jahre beim 1. FC Union Berlin trainiert hatte, stieg Christin aus und entschied sich gegen den Leistungssport: »Der Trainings- und Spielrhythmus wurde mir einfach zu professionell«, erklärt sie. Die Liebe zum Fußball aber blieb. So oft sie kann, geht sie zu den Heimspielen von Union - sogar ihr kleiner Sohn war schon einmal mit im Stadion. Trifft man sie auch beim jährlichen Weihnachtssingen? Christin winkt lachend ab: »Viel zu kommerziell!«