Bambule mit Beethoven

Bonn - die Geburtsstadt des größten deutschen Komponisten - ist allemal eine Reise wert

Von Karlen Vesper

»Bonn - der Bundestag hat bla-bla-bla! / Bonn - der Bundesrat hat bla-bla-bla! / Bonn - der Bundeskanzler hat bla-bla-bla! / Bonn - der Bundespräsident hat bla-bla-bla!/ Bonn - die Opposition hat bla-bla-bla!/ Tja, was hamse denn? - Sie ham was gesagt! / Sie ham was gemacht - aber was? // Beraten. Beschlossen. Begrüßt. Vertagt. / Mit allem gebührenden Nachdruck beklagt! / Berichtet. Berichtigt. Ratifiziert. / Mit Schärfe dementiert!«

Ach, das waren noch Zeiten! Als Ekkes Frank, studierter Philosoph und Liedermacher aus Heidelberg, über die »Tagessschau« spottete: »Tja, in der Tagesschau, da wird der Tag zur Schau«. Damals gab es noch zwei deutsche Staaten, und Bonn war Hauptstadt des westlichen Deutschland. Wir in der DDR heranwachsenden jungen Sozialisten/Kommunisten trällerten begeistert seinen Song. Von den »Bonner Ultras« war bei uns nicht mehr die Rede; die Ostpolitik des ersten sozialdemokratischen Bundeskanzlers, Willy Brandt, hatte Früchte getragen. Dennoch blieb die Stadt am Rhein, die 1949 Regierungssitz der Bundesrepublik geworden war, knapp über den Mitbewerber Frankfurt am Main triumphierend, vor allem in den Spalten des SED-Zentralorgans »Neues Deutschland« ein Hort des bösen westdeutschen Imperialismus.

Ach, wie bitterlich weinten die Bonner, als 1991 der Bundestag - mit nicht allzu üppiger Mehrheit, 338 zu 320 Stimmen - beschloss, seinen Sitz nach Berlin zu verlegen. Den begehrten Rang als Hauptstadt des »geeinten« Deutschland hatte Berlin allerdings schon im Jahr zuvor kraft des Einigungsvertrages Bonn streitig gemacht. Sukzessive zogen alle wichtigen Ministerien an die Spree. Lange ist’s her. Mit »Freude. Joy. Joie. Bonn« bewirbt die Stadt nunmehr das Beethoven-Jahr. »Bonn feiert mit der Welt«, heißt es auf der kommunalen Homepage.

Unglaublich, aber wahr: Das Geburtsdatum des Ludwig van Beethoven ist nicht exakt überliefert. Man weiß nur, dass der weltweit wohl berühmteste deutsche Komponist und Pianist am 17. Dezember 1770 getauft worden ist - in der St.-Remigius-Kirche, die 30 Jahre später abbrannte und an anderer Stelle in Bonn wiederauferstand. Vermutet wird, dass der »Star« am Tag zuvor das Licht der Welt erblickt hatte. Und so haben denn auch am 16. Dezember dieses Jahres die Feierlichkeiten in Bonn begonnen, mit der offiziellen Eröffnung des Beethoven-Hauses, einem Empfang im Alten Rathaus und einem Festakt in der Oper.

Ein Jahr lang Bambule mit Beethoven. Und Sie, verehrte Leserinnen und Leser, können mitfeiern. Während einer Stadtrundfahrt und eines Stadtspaziergangs werden Sie Orte kennenlernen, an denen der talentierte Knabe und Jüngling weilte oder sich langweilte, lernte, sich nährte und sein Publikum bezauberte. Bereits im zarten Alter von sieben Lenzen hatte er seinen ersten furiosen öffentlichen Auftritt. Sein zeitweiliger Lehrer, der Komponist und Kapellmeister Christian Gottlob Neefe, war überzeugt, sein Eleve werde »gewiß ein zweyter Wolfgang Amadeus Mozart werden, wenn er so fortschritte, wie er angefangen«.

Und wie er dann fortschritt, der Ludwig! Frisch, forsch und frei. Das Provinzstädtchen ward ihm bald viel zu eng. 1791 nahm er Abschied für immer. Wien, jedenfalls das adlige und honorige, empfing ihn mit offenen Armen und offerierte ihm »Mozarts Geist aus Haydns Händen«. Was der rheinische Sturkopf respektive das eigensinnige Genie schnöde ablehnte. Er habe »nie etwas von ihm gelernt«, soll er später über den schließlichen Rivalen Haydn gesagt haben.

Wie auch immer, liebe Leserinnen und Leser, Sie dürfen sich freuen auf ein Open-Air-Konzert mit Beethovens 1. Sinfonie, das den Auftakt gibt für eine Liveübertragung von Arte mit allen neun Sinfonien des Ausnahmekünstlers. Und Sie, glückliche Leserinnen und Leser, die mit »nd« nach Bonn reisen, können hernach frei nach Johann Wolfgang von Goethe verkünden: »Ich bin dabei gewesen!«