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Mehrheit in Deutschland für ein Böllerverbot

Die Gründe sind laut Umfrage Umwelt und Sicherheit / Höhere Zustimmung bei älteren Befragten

  • Lesedauer: 3 Min.

Hannover. Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger spricht sich aus Umwelt- und Sicherheitsgründen für ein Verbot von Böllern zu Silvester aus. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov mit 2.000 Teilnehmern für das »RedaktionsNetzwerk Deutschland« am Freitag befürworten 57 Prozent ein Verbot. 36 Prozent sprechen sich gegen ein Verbot aus, sieben Prozent sind unschlüssig.

Bei Anhängern aller Parteien findet ein Verbot demnach eine deutliche Mehrheit. Nur die Wähler der AfD befürworten ein Verbot lediglich zu 40 Prozent. Die Zustimmung liegt bei über 55-Jährigen mit 63 Prozent besonders hoch, am geringsten ist die Zustimmung bei den 35- bis 54-Jährigen (51 Prozent).

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Canan Bayram sagte dem »RedaktionsNetzwerk« dazu: »Ein Böllerverbot in Städten halte ich für unausweichlich.« Sie unterstütze die Bundesländer in dem Wunsch, rechtssichere Verbote für Feuerwerkskörper einzuführen. »Klar ist, dass es unter Umwelt- und Gesundheitsschutzaspekten möglich und geboten sein sollte.«

Alternativen zur Böllerei gesucht - Trotz Feinstaub und Müll: Das Silvester-Feuerwerk zu verbieten, kann nicht die Lösung sein, meint Olaf Bandt

Der CDU-Innenpolitiker Philipp Amthor hält ein Verbot aber nicht für verhältnismäßig. Er erklärte: »Wer aus Gründen der Feinstaubbelastung jetzt auch noch das Silvesterfeuerwerk verbieten will, hat jedes Gefühl für eine sinnvolle Schwerpunktsetzung verloren.« Er habe persönlich jedes Verständnis für eine skeptische Haltung, aber Verbotsdiskussionen gingen ihm zu weit. »Jeder kann zu Silvester auf Feuerwerk verzichten, aber er braucht dafür doch nicht den Staat, um ihm das zu verbieten.«

Das Silvester-Feuerwerk steht unter anderem wegen der hohen Feinstaub-Belastung in der Kritik. »In der Silvesternacht messen wir die höchsten Feinstaubwerte«, sagte die Meteorologin Ute Dauert vom Umweltbundesamt in der Sendung »Frühstart« auf RTL und n-tv. Die Werte könnten 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter überschreiten. Im Jahresmittel liege der Wert in den Städten bei etwa 18 Mikrogramm.

Es sei aus Sicht des Umweltbundesamts wünschenswert, dass immer mehr Menschen auf das private Feuerwerk verzichteten oder es einschränkten, sagte Dauert. »Es trägt dazu bei, die Feinstaubbelastung zu senken, Müllberge zu vermeiden und den Energieaufwand zu senken, der für die Herstellung solcher Feuerwerkskörper benötigt wird.« Auf der anderen Seite gehöre es eben zur Tradition in Deutschland, »das alte Jahr mit einem kräftigen Feuerwerk zu verabschieden«.

In zahlreichen Städten in Deutschland gibt es Verbote und Einschränkungen für das Feuerwerk. FDP-Chef Christian Lindner lehnte ein grundsätzliches Verbot der Silvesterböller ab, plädierte aber für einen »vernünftigen und maßvollen Umgang mit der Knallerei«. Wer es zum Jahreswechsel übertreibe, »macht sich zum Gehilfen der Spielverderber, die alles gleich gesetzlich verbieten wollen«, sagte Lindner den RND-Zeitungen. Agenturen/nd

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