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  • Digitalisierung des Gesundheitswesens

Systemfehler gematik

Ulrike Henning über fehlende Verantwortung in der Gesundheits-IT

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 1 Min.

Optimisten versuchen, die vom Chaos Computer Club aufgedeckten Schwachstellen im Gesundheitsnetzwerk zu relativieren. Noch lasse sich mit falsch ausgegebenen Arztausweisen in der vorhandenen Infrastruktur nichts bewirken. Noch haben die Feldversuche für elektronischen Medikationsplan und Notfalldatensatz nicht begonnen. Dann aber dürfte das Missbrauchspotenzial steigen.

Mit einer Rückholaktion aller Arzt- und Praxisausweise verliert die für die Digitalisierung des Gesundheitswesens zuständige gematik, deren Gesellschafter Bund, Ärzte, Apotheker und Kliniken sind, erneut Zeit. Davon hat sie in den fast 15 Jahren seit ihrer Gründung genug vertrödelt: Die elektronische Gesundheitskarte ist immer noch nicht mehr als ein schlechter Ersatzausweis. Zur Aufdeckung der aktuell gefundenen Sicherheitslücken wurden nicht einmal technische Hilfsmittel genutzt, die empfohlene Schadensbegrenzung liegt denn auch eher im Organisatorischen. Die gematik hat es bis jetzt nicht geschafft, die Beantragung und Herausgabe aller Karten so zu organisieren, dass diese dem Schutzbedarf von Sozialdaten entsprechen. Wahrscheinlich hindern sie systematische Gründe am Erfolg. Denn ihre Gesellschafter sind die gleichzeitig von ihr zu überwachenden Institutionen. Unabhängige Kontrolle fehlt.

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