Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Trügerische Freude

Der Umgang mit dem Tod Soleimanies zeigt die Zerrissenheit der islamischen Welt, meint Philip Malzahn

  • Von Philip Malzahn
  • Lesedauer: 1 Min.

Die sterblichen Überreste des getöteten Generals Qassem Soleimani werden einmal quer durch Iran getragen. Von der Pilgerstätte Maschhad geht es über die Hauptstadt in seinen Geburtstort Kerman. Das staatliche Fernsehen schlachtet das Ereignis aus und stimmt die Bevölkerung auf Krieg ein, indem es am laufenden Band Zehntausende schwarz gekleidete Trauernde zeigt, die racheschwörend »ihrem Kriegshelden« den letzten Respekt zollen. Anderorts, wie in der syrischen Rebellenhochburg Idlib, wird der Tod des Anführers der berüchtigten Quds-Brigaden regelrecht zelebriert.

Diese unterschiedlichsten Reaktionen zeigen die Zerrissenheit der islamisch geprägten Welt. Soleimani war zweifellos ein Kriegstreiber und ein Fiesling sondergleichen. Doch sein Ableben könnte einen Krieg ungeahnten Ausmaßes auslösen, von dem jetzt schon sicher ist, dass es am Ende nur Verlierer geben kann.

Auch die Vorstellung, man könne durch das gezielte Auslöschen einzelner Protagonisten etwas Gutes tun, ist illusorisch. Denn Soleimanis Werk, die Erschaffung eines extrem handlungsfähigen Milizennetzwerks im Nahen Osten durch geschickte Ausnutzung der geopolitischen Umstände, bleibt weiterhin bestehen. Auch ein Nachfolger an der Spitze der Quds-Brigaden war bereits am selben Tag auserkoren. In dieser Situation ist daher jede Emotion, die nicht auf eine Deeskalation ausgerichtet ist, vollkommen unangebracht.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln