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Die letzte Chance einer Generation

Sloweniens Volleyballer wollen nach ihren jüngsten Erfolgen endlich auch mal zu den Olympischen Spielen

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 3 Min.

Wenn der Slowene Alen Pajenk vom Italiener Andrea Giani spricht, beginnt er zu strahlen. Das mag auch daran liegen, dass Giani für fast jeden Volleyballer in Pajenks Alter in Kindheitstagen ein Idol war. Giani gewann drei Olympiamedaillen, war Welt- und Europameister. In 25 Jahren als Profi kamen für den eleganten und zugleich wuchtigen Außenangreifer mehr als 20 Vereinstitel dazu. Pajenk aber sollte als Erwachsener seinem Idol noch viel näher kommen als die meisten anderen Fans. Denn als der slowenische Mittelblocker selbst seine besten Jahre als Spieler erreichte, wurde Giani 2015 sein Trainer in der Nationalmannschaft. »Mit ihm hat für uns alles angefangen«, sagt Pajenk heute.

Slowenien erfreut sich seit gut sechs Jahren einer Ausnahmegeneration im Männervolleyball. »Einzeln gesehen, sind sie nicht die besten Spieler in Europa. Aber als Mannschaft sind sie überragend. Sie spielen mit starken Emotionen und bringen die immer aufs Feld. Hier in Berlin wird genau das sehr wichtig sein«, sagt Giani, der mittlerweile Trainer der deutschen Volleyballer ist und mit denen an diesem Dienstag in der Olympiaqualifikation in Berlin auf seine alten Schützlinge aus Slowenien trifft.

Der heute 49-jährige Giani hatte seinerzeit aus vielversprechenden Einzelspielern, die schon in jungen Jahren aus der schwachen slowenischen Liga hinaus in die Volleyballwelt gezogen waren, eine Einheit gemacht. Nach nur wenigen Monaten gewannen sie die Europaliga und danach sensationell EM-Silber. »Wir spielten schon in guten Klubs in Polen oder Italien, aber wir mussten das noch zusammenbringen. Dieses letzte Stück des Puzzles hat Andrea für uns gefunden«, sagt Pajenk.

Die Erfolge lösten einen kleinen Volleyball-Hype in einem Land aus, das sonst lieber Skispringern und Basketballern huldigt. Die EM 2019 wurde in vier Ländern ausgetragen, dabei zum ersten Mal auch in Sloweniens Hauptstadt Ljubljana. Beim Viertelfinalsieg gegen Titelverteidiger Russland waren mehr als 10 000 begeisterte Fans in die Arena Stožice gekommen. Danach besiegten ihre Helden sogar die als unschlagbar geltenden Weltmeister aus Polen. »Wir hatten uns in einen Rausch gespielt«, so Pajenk. Auch Libero Jani Kovačič erinnert sich gern an den September: »Vor den Heimfans zu spielen hat alles so viel leichter gemacht.«

Für einen großen Titel oder eine Olympiateilnahme bleibt allerdings nicht mehr viel Zeit. Das Team ist mit gut 28 Jahren im Schnitt recht alt, viele Leistungsträger sind schon über 30. »Das könnte unsere letzte Chance sein, denn viele Spieler wollen bald ihre internationale Laufbahn beenden. Deswegen werden wir hier in jedem Spiel alles geben«, versprach der 27-jährige.

Von acht starken Teams kann in Berlin nur eins das letzte europäische Ticket lösen. »Ich glaube, dass es ein Vorteil für uns ist, dass die Vorbereitungszeit von einer Woche sehr kurz war. Wir spielen schon zehn Jahre zusammen und brauchen daher nicht so lange wie andere, um zueinander zu finden«, sagt der 33-jährige Pajenk.

Ein guter Auftakt gelang den Slowenen am Sonntag mit dem 3:0-Erfolg gegen Belgien. Danach gewann in derselben Gruppe auch Deutschland gegen Tschechien mit 3:0. Bei einem weiteren Sieg der Deutschen gegen Belgien am Montagabend (nach Redaktionsschluss) und einem Erfolg der Belgier über die Tschechen am Dienstag könnte es danach am Abend im Duell Slowenien gegen Deutschland schon um den Gruppensieg und damit die beste Ausgangsposition fürs Halbfinale gehen. »Der erste Sieg war wichtig für uns. Mit etwas Glück könnte damit schon das Halbfinale gesichert sein«, ist sich auch Kovačič der Rechenschieberei bewusst. »Jetzt hoffe ich, dass wir auch gegen die Deutschen gewinnen. Nur leider haben die jetzt ihre Heimfans im Rücken. Wir werden es also schwer haben zu bestehen«, sagt er.

Dass es auch noch gegen den alten Trainer und damit einen Kenner des slowenischen Volleyballs geht, sieht Kollege Alen Pajenk nicht als Problem an: »Wir haben sicher keine Angst vor Andrea. Es wird eher lustig und ich kann es kaum erwarten.«

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