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Immer noch ein Hoffnungsträger

Der 43-Jährige tritt als Kandidat des Linksbündnis Lewica bei den polnischen Präsidentschaftswahlen an

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 2 Min.

Kann Robert Biedroń die Erwartungen als Hoffnungsträger der polnischen Linken erfüllen? Dafür spricht, dass Polens Linksbündnis Lewica den heute 43-Jährigen, der als erster polnischer Politiker offen homosexuell lebt, als Kandidaten für die in diesem Jahr anstehende Präsidentschaftswahl nominiert hat. Andererseits ist die Eingangsfrage nicht neu, sie stellt sich genauer bereits seit Amtsantritt der nationalkonservativen PiS im Herbst 2015, als der für polnische Verhältnisse sehr junge Bürgermeister von Słupsk ob seines Arbeits- und Führungsstils schon einer der bekanntesten und beliebtesten Politiker des Landes war. Wie lange kann man den Status als Hoffnungsträger halten?

Für das Linksbündnis Lewica, bestehend aus SLD, Razem und der im Februar 2019 von Biedroń mitgegründeten Partei Wiosna ist er es jedenfalls. Bei den Europawahlen im Mai 2019 errang er auf Listenplatz eins ein Mandat im EU-Parlament, bei der polnischen Parlamentswahl im Herbst vereinte das Bündnis über zwölf Prozent der Stimmen auf sich.

Mit Biedroń stellt die Linke einen profilierten Kandidaten auf. Der polarisiert, auf den sich die Wahlkämpfer von rechts stürzen werden. Dem allerdings damit auch viel Aufmerksamkeit zuteilwird und der bereits gezeigt hat, dass er mit der Härte der politischen Sphäre Polens umgehen kann. Der mit seinen grau gefärbten Haaren ein Kontrastprogramm zum Amtsinhaber Andrzej Duda bieten kann. Was auch seine politische Agenda angeht: Biedroń will Staat und Kirche strikter trennen, gleichgeschlechtliche Partnerschaften sollen anerkannt werden und alle Kohlebergwerke bis 2035 schließen.

Solche Forderungen machen klar, dass Biedroń, anders als die Kandidatin der Bürgerplattform, Małgorzata Kidawa-Blonska, nicht um Wähler wirbt, die sich auch für Duda entscheiden könnten, dem Favoriten für die Wahl. Schafft es Biedroń zusammen mit den Oppositionskandidaten, dass Duda in eine zweite Runde muss – dann hat er seinem Ruf als Hoffnungsträger einmal mehr nicht geschadet.

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