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Party statt dröger Zeremonie

Der Bezirk Pankow will für Neueingebürgerte einen großen Ball der Vielfalt geben

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 4 Min.
Wird im Rathaus getanzt, haben alle sicher mehr Spaß als bei dieser Einbürgerung in Neukölln.
Wird im Rathaus getanzt, haben alle sicher mehr Spaß als bei dieser Einbürgerung in Neukölln.

Der linke Bezirksbürgermeister Sören Benn ist sich sicher: »Einbürgerung sollte ein gesellschaftlicher Akt sein, nicht nur ein formaler und staatlicher.«

Am Donnerstag stellte Benn gemeinsam mit Birgit Gust, der kommissarischen Integrationsbeauftragten des Bezirks, im Rathaus Pankow deshalb den Ball der Vielfalt vor, der am 24. Januar zum ersten Mal stattfinden soll - und zwar im Pankower Rathaus. Anlass ist die seit jeher fehlende Einbürgerungsfeier im Bezirk - stellvertretend für neu Eingebürgerte hatte man in der in der Vergangenheit einzelne Vertreter beim Neujahrsempfang des Bürgermeisters geehrt. Sören Benn gefiel das so nicht. Statt eine Zeremonie zu veranstalten, bei der, so Benn, »Reden gehalten werden und Honoratioren eine Art Weihe vergeben«, wolle man Einbürgerung lieber als Anlass nehmen, miteinander ein Fest zu feiern, »lebensbejahend und bunt«.

»Wir wollen ein Zeichen setzen«, bestärkt Birgit Gust die Aussagen ihres Bezirksbürgermeisters. Vielfältig sei Pankow ja längst, sagt die Nachfolgerin von Katarina Niewiedzial, die im Mai 2019 als Integrationsbeauftragte zum Berliner Senat gewechselt ist. »Der Bezirk hat starke Frauennetzwerke, eine große LSBTI-Community und viele alteingesessene ausländische Kulturvereine«, so Gust. Seit 2015 seien Flüchtlinge aus Syrien und anderen arabischen Ländern dazu gekommen.

Die Idee zum Ball der Vielfalt sei zwar im Rathaus entstanden, erzählt Gust weiter, aber dann habe man zuerst bei all den Pankower Organisationen gefragt: »Was wünscht ihr euch für ein solches Fest? Wollt ihr mitmachen? Welche Bands sollen das Musikprogramm gestalten?«

Viele, sehr viele, freut sich Birgit Gust, haben geantwortet. Gern habe man die Vorschläge für die musikalische und künstlerische Unterhaltung aufgenommen. So sei nun wirklich ein buntes und vielfältiges Programm auf die Beine gestellt worden, mit dem am Abend des 24. Januars das Pankower Rathaus in einen offenen Ort verwandelt werden soll, der Fröhlichkeit und Diversität ausstrahlt.

800 Gäste sind bisher eingeladen, um Musik und Tanz auf drei Bühnen, eine davon im großen Rathaussaal, zu erleben - allen voran die 456 Neueingebürgerten. Und die Nachfrage steigt: »Die Leute rufen an und fragen, ob auch ihre Verwandten zum Ball kommen können«, lacht Birgit Gust.

Zu sehen und zu hören sein werden unter anderem kubanische Musik von Los Tamalitos, der »Best Berlinistan Garam Masala Sound« von Djane Masta Sai, aber auch jiddische Lieder und Klezmer Musik von der Band Aufwind sowie Tango und Chansons von Malgorzata Picz, Marek Picz und Krystzof Szachnowski. Dazu kommen die Kizomba Performance von Africa Yetu oder Percussion Vorstellungen von Corcovado und Banda Girasol. Und wer all die Künstler*innen aus dem Bezirk nicht kennt, dem ist vielleicht die bekannte Schauspielerin Jasmin Tabatabai ein Begriff, die seit vielen Jahren in Pankow lebt und beim Ball der Vielfalt ebenfalls einen Auftritt haben wird, wenn auch nicht als Sängerin oder Schauspielerin. Mehr sei nicht verraten. Im Rahmenprogramm wird außerdem »Tomaten auf den Augen? Vielfalt in Pankow!« laufen, ein Dokumentarfilm, der allein für den Ball in Auftrag gegeben wurde. Die Macher*innen von alexfilm haben dafür Menschen aus Pankow interviewt und sie zum Thema Einbürgerung und Migration im Bezirk befragt. »Neueingebürgerte kommen hier ebenso zu Wort, wie Menschen, die schon lange in Pankow leben und sich trotzdem gegen eine Einbürgerung entschieden haben«, erklärt Birgit Gust.

Dass das ganze Vorhaben überhaupt realisiert werden kann, ist auch den Mitarbeiter*innen im Bezirksamt zu verdanken. Diese werden den Ball der Vielfalt nicht nur vorbereiten, sondern auch am Abend selbst zu seinem Gelingen beitragen, beim Ausschank und bei den Bühnen behilflich sein. So wirke das Ereignis nicht nur nach außen, sagt Gust, sondern auch nach innen in die Behörde, die selbst noch auf dem Weg dahin ist, vielfältiger und inklusiver zu werden. Man tue zwar vieles dafür, müsse aber, um Leute halten zu können, auch über Diskriminierung sprechen.

»Wir wollen in Pankow eine neue Tradition im Umgang mit Einbürgerung begründen«, sagt Sören Benn. Und hofft, damit eine Diskussion anzustoßen, die in ganz Berlin geführt wird.

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