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Ein Land ohne Wasser

Die Pinochet-Diktatur legte den Grundstein für die Wasserprivatisierung

  • Von Malte Seiwerth
  • Lesedauer: 2 Min.

Im Jahr 1981 verabschiedete die chilenische Militärdiktatur ein Gesetz, das die Wasserrechte privatisierte. Dies war Teil der Reformen, welche seit dem Putsch von 1973 gegen Salvador Allende angestoßen wurden und das Land in ein Experimentierfeld für neoliberale Wirtschaftstheoretiker verwandelten. Gleichzeitig förderte die Diktatur von Augusto Pinochet die Expansion von Plantagen. Im Süden betraf dies den Anbau von Eukalyptus und im Zentrum des Landes vor allem Zitrusfrüchte und Avocados. In beiden Gebieten kommt es mittlerweile zu schwerwiegenden Wasserengpässen. Und die Situation wird immer schwieriger. Laut Regierung werden mittlerweile etwa 400 000 Haushalte mit Tanklastwagen beliefert und die Hälfte des Landes, darunter die Hauptstadt Santiago, haben eine negative Wasserbilanz. Das heißt, es wird mehr Wasser verbraucht, als durch Regenfälle zurückkommt. Hinzu kommt, dass die Gletscher in den Anden schmelzen. Ausschlaggebend dafür ist der Klimawandel, aber auch die Minenaktivitäten in der Gebirgskette.

Die Regierung reagierte auf die Wasserkrise bislang mit der Förderung alternativer Bewässerungsmethoden und dem Bau von Staudämmen. Beides vor allem für die Agrarindustrie. Diese ist mit 82 Prozent des Wasserverbrauchs auch der größte Nutzer. Danach kommen mit acht Prozent die Haushalte und mit sieben Prozent die Minenindustrie.

Auf dem Trockenen
Soziale Proteste in Chile drehen sich auf dem Land vor allem um eine gerechtere Wasserversorgung

Gleichzeitig startete die Umweltministerin Carolina Schmidt im März 2019 eine Kampagne zur Reduktion des Wasserverbrauchs. Diese konzentrierte sich vor allem auf eine Verkürzung der Duschzeit auf maximal drei Minuten. Aber auch beim Wasserverbrauch in den Haushalten gibt es eine markante Ungleichheit. Der Wasserverbrauch pro Person ist in den reichen Stadtvierteln Santiagos rund sieben mal höher als im Großteil der Stadt.

Die Rücknahme der Wasserprivatisierung ist ausgeblieben. Teilweise wurde die Privatisierung sogar weiter vorangetrieben. Die Regierung hat auf die Proteste mit der Bereitschaft reagiert, die Verfassung aus der Diktatur zu überarbeiten. Dies bietet theoretisch die einmalige Möglichkeit, Wasser wieder als öffentliches Gut anzuerkennen.

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