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Fridays For Future-Aktivisten: Siemens betreibt »reines Greenwashing«

Indische Firma will mit Bau der Carmichael-Mine fortfahren: Sie soll 2021 in Betrieb gehen und jährlich 27 Millionen Tonnen fördern

  • Lesedauer: 5 Min.
Bereits jetzt stark beschädigt: Das Great Barrier Reef in Australien. Bald soll im Gebiet auch noch jedes Jahr Millionen Tonnen Kohle abtransportiert werden.
Bereits jetzt stark beschädigt: Das Great Barrier Reef in Australien. Bald soll im Gebiet auch noch jedes Jahr Millionen Tonnen Kohle abtransportiert werden.

Canberra. Ungeachtet aller Proteste von Klima- und Umweltschützern hat der indische Konzern Adani seine Pläne für ein riesiges Kohlebergwerk in Australien bekräftigt. Das Unternehmen freue sich, mit dem Zulieferer Siemens zusammenzuarbeiten, sagte eine Sprecherin von Adani Australien der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Zuvor hatte Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser auf Twitter mitgeteilt, dass der Konzern an dem Auftrag für die Lieferung einer Zugsignalanlage festhalten werde. Siemens habe alle Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, dass man allen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen müsse. Zugleich will das Unternehmen ein wirksames Nachhaltigkeitsgremium schaffen, um Umweltfragen in Zukunft besser zu managen.

»Joe Kaeser macht einen unentschuldbaren Fehler«, sagte die Klimaaktivistin Luisa Neubauer am Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. »Diese Entscheidung ist aus dem Jahrhundert gefallen.« Statt Verantwortung für das Pariser Klimaschutz-Abkommen zu übernehmen, gefährde Siemens damit das Ziel, die Erderwärmung auf unter zwei Grad einzudämmen. »Wir haben Kaeser gefragt, alles in seiner Macht stehende zu tun um die Adani-Mine zu verhindern«, sagte Neubauer mit Blick auf ein Treffen mit dem Siemens-Chef am Freitag.

»Stattdessen schlägt er nun Profit aus diesem Katastrophen-Vorhaben«, so Neubauer. Die Menschen seien an einem Punkt in der Geschichte angekommen, »an dem jeder CEO in dieser Größenordnung gefragt ist sich zu entscheiden: für oder gegen das Klima, für oder gegen die Rechte zukünftiger Generationen und den Schutz der Menschen und Tiere, die heute betroffen sind.«

Profit auf dem Rücken des Great Barrier Reefs

Bei der Kritik an dem Projekt in Australien geht es neben dem Klimaschutz auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. Der Bau der Carmichael-Mine im nordöstlichen Bundesstaat Queensland sei voll im Gange, so die Adani-Sprecherin. »Wir lassen uns nicht einschüchtern oder davon abhalten, unsere Versprechen einzulösen - für die Menschen in Queensland, die Australier und die Menschen in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchen, um ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen.«

Siemens hatte im Juli 2019 den Auftrag für die Schienensignalanlage der vom indischen Adani-Konzern geplanten Carmichael-Mine im australischen Bundesstaat Queensland angenommen. Der Auftrag hat laut Siemens-Vorstandschef Kaeser ein Volumen von 18 Millionen Euro. Mitte Dezember hatte der Siemens-Chef angekündigt, die Beteiligung seines Konzerns an dem Projekt auf den Prüfstand zu stellen.

Am Freitag traf sich Kaeser mit Neubauer, die Sprecherin des deutschen Flügels der Klimaschutzbewegung Fridays for Future ist. Bei dem Treffen bot er Neubauer überraschend einen Aufsichtsratsposten bei der Unternehmenstochter Siemens Energy an. Die Klima-Aktivistin lehnte das Angebot aber ab.

Vergeblich drang Neubauer bei Kaeser auf einen kompletten Rückzug aus dem australischen Projekt. Nach dem Konzernbeschluss vom Sonntag warf sie dem Konzernchef vor, gegen das Pariser Klimaschutzabkommen, gegen die zukünftigen Generationen und »nicht zuletzt gegen die Klimaschutz-Reputation von Siemens« entschieden zu haben.

Neubauer kündigte über Twitter an, dass es am Montag spontane Demonstrationen gegen die »desaströse Entscheidung« vor elf Siemens-Sitzen geben solle. Bereits am Freitag hatte Fridays for Future nach eigenen Angaben in mehr als 30 Städten gegen das Unternehmen demonstriert. Am Morgen fanden sich auf der deutschen Homepage der Klimabewegung zwölf Veranstaltungen. Eine weitere war am Hauptsitz des Konzerns in München geplant, wie eine lokale Sprecherin von Fridays for Future sagte.

Die Liste könnte sich noch um einzelne Veranstaltungen verlängern, sagte eine andere Sprecherin von Fridays for Future Deutschland. Sie rechnete allerdings nicht damit, dass die einzelnen Proteste sehr groß ausfallen würden. Dafür seien sie zu spontan geplant worden.

Fridays for Future will weiter gegen Siemens mobilmachen

In Zeiten der Klimakrise müssten gerade auch Konzerne ihre Versprechen einhalten, erklärte »Fridays for Future« am Sonntagabend. Dazu gehöre eben auch, »sich nicht am Bau eines Wahnsinns-Projekts zu beteiligen, das im Alleingang das weltweite 1,5-Grad-Ziel gefährdet«.

Der »Fridays for Future«-Aktivist Nick Heubeck sagte am Montag dem Radiosender Bayern2: »Ich bin wütend angesichts der katastrophalen Entscheidung.« Sie zeige, dass Siemens-Chef Joe Kaser nicht gewillt sei, für einen »eigentlich lächerlichen Auftrag von 20 Millionen Euro sein Wort zu halten und Siemens zukunftsgerichtet auszurichten«. Heubeck kündigte weitere Proteste an, unter anderem bei der Aktionsärsversammlung am 5. Februar in München. Die Zusage von Siemens, bis 2025 klimaneutral sein zu wollen, nannte er »reines Green-Washing«.

Umweltschützer warnen, die Verbrennung der Kohle aus der australischen Carmichael-Mine in Indien und China werde die Klimaerwärmung verschlimmern. Zudem seien in Australien zahlreiche Tierarten durch die Mine bedroht. Die Carmichael-Mine soll eine der größten Kohleförderstätten der Welt werden. Die Mine soll im kommenden Jahr in Betrieb gehen und bis zu 27 Million Tonnen Kohle im Jahr produzieren.

Australien im Fokus

Die Kohle soll von einem Hafen in der Nähe des Great Barrier Reef verschifft werden. Dabei handelt es sich um das größte Korallenriff der Welt. Es ist nach Angaben von Naturschützern als Folge von Umweltverschmutzung und Klimaerwärmung bereits stark beschädigt.

Der Klimaschutz ist auch in Australien zuletzt verstärkt zu einem Thema der öffentlichen Debatte geworden - im Zusammenhang mit den seit Monaten wütenden Wald- und Buschbränden. Premierminister Scott Morrison betreibt eine Pro-Kohle-Politik und unterstützt energisch das Carmichael-Projekt. Australien ist der größte Kohle-Exporteur der Welt. Agenturen/nd

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