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Verunsicherung in den besten Jahren

Auch Heilpraktiker bieten Medizin für Männer an - jedoch nicht mit besonders großem Erfolg

  • Von Ulrike Henning
  • Lesedauer: 3 Min.

Männer nehmen Vorsorgeuntersuchungen seltener und später wahr als Frauen. Die Jüngeren pflegen einen riskanteren Lebensstil, und nur wenige von ihnen sehen, dass Gesundheit mehr als Fitness ist. Zudem ist ihre Lebenserwartung geringer als die der Frauen. Am beruflichen Unfallgeschehen haben sie den Löwenanteil, sowohl am Arbeitsplatz als auch bei Wegeunfällen. Bei letzteren kamen 2018 zum Beispiel 227 Männer zu Tode, gegenüber 71 Frauen. Auch bei Krankheitsverläufen, Diagnostik, Therapie und Nachsorge existiert ein Geschlechterunterschied, der sich zum Beispiel in deutlich weniger Arztkontakten der Männer zeigt.

Naheliegend, dass es in Sachen Komplementärmedizin ebenfalls Unterschiede gibt. Eine Umfrage unter Heilpraktikern Ende 2017 zeigte, dass unter deren Patienten nur ein Drittel Männer sind. Insgesamt praktizierten in Deutschland 2017 rund 46 000 Heilpraktiker, der Männeranteil lag etwa bei 30 Prozent. Die häufigsten Therapieverfahren (bezogen auf alle Geschlechter) sind Akupunktur, Entgiften und Entschlacken sowie Homöopathie. Danach folgen Schmerztherapie, Allergiebehandlung sowie das Schröpfen.

Den Weg zum Heilpraktiker finden Männer häufig nur dann, wenn eine Frau Tatsachen schafft: Oft ist es die Lebenspartnerin - es kann aber (auch bei Erwachsenen) ebenso die Mutter sein oder eine Tochter -, die in Eigeninitiative einen Termin vereinbart. Ein häufiger Grund für Männer, sich überhaupt auf komplementärmedizinische Verfahren einzulassen, ist das Fehlen von Behandlungsfortschritten durch kassenfinanzierte Therapien. Diese Patientengruppe erscheint dann mit dem Signum »austherapiert« in der Heilpraxis. Nun wäre durchaus ein Buch vorstellbar, mit dem Männer zur Annäherung an Naturheilkunde und andere Medizinsysteme als unser westliches ermutigt werden.

Der Band »Männerzeiten« des Dortmunder Heilpraktikers Peter Germann und seiner Kollegin und Ehefrau Grudrun Zeuge-Germann leistet das nicht. Diese Zusammenstellung von Texten ist eher zum Schmökern für Unentschlossene, teils auch als Nachschlagewerk geeignet. Zu verschiedenen komplementären Therapierichtungen lässt sich hier Grundsätzliches erfahren. Ausleitungsverfahren wie Aderlass oder Schröpfen werden vorgestellt, je ein Abschnitt gilt der homöopathischen und der Pflanzenheilkunde.

Zielgruppe sind Männer »in den besten Jahren«. Gemeint sind jene Zeitgenossen, die Probleme mit dem Älterwerden und den sogenannten männlichen Wechseljahren haben. So führt wegen eine Schwächung der Libido häufig zur Verunsicherung der Betroffenen. Entsprechend sind mindestens 35 Seiten explizit Aphrodisiaka gewidmet. Interessierte können sich durcharbeiten, von einem Aufguss aus Salbei, Bergbohnenkraut und Pfefferminze über ein Rezept für Hippokrates-Wein bis hin zur Tollkirsche. Tollkirsche? Genau, da war doch was: Die schwarze Beere enthält eine ganze Reihe giftiger Alkaloide, deshalb wird vor ihrem Verzehr gewarnt. Die Autoren tun das ebenfalls, allerdings etwas halbherzig, ebenso wie bei anderen psychotropen Mitteln, die der Libidosteigerung dienen könnten. Eine gewisse Beliebigkeit scheint nicht nur in diesen Kapiteln auf. Leider wird so auch der Vorwurf bedient, dass es sich bei komplementären Verfahren oft nur um Wellness handelt.

Das Eingangskapitel »Zum Selbstverständnis des Mannes« vermischt zudem überflüssige Allgemeinplätze mit einem überraschenden Kurztrip in das Feld der Irisdiagnose und mit Überlegungen zum männlichen Hormonhaushalt mit Schwerpunkt Testosteron. Wenig schlüssig ist die grafische Ausstattung: Ob Farbfotos von Heilpflanzen Männer nun wirklich ansprechen oder eher die Frauen an ihrer Seite, bleibt offen.

Peter German/Gudrun Zeuge-Germann: Männerzeiten. Freya-Verlag 2019. 352 S., geb., 29,90 €.

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