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»Flügel«-Opfer

Georg Pazderski will nicht wieder für das Amt des Berliner AfD-Landesvorsitzenden kandidieren

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Musste in der AfD viele Niederlagen einstecken: Georg Pazderski
Musste in der AfD viele Niederlagen einstecken: Georg Pazderski

Es sei »kein Abschied aus der Politik«, seine Entscheidung habe nichts mit der aktuellen Situation seiner Partei zu tun, erklärte der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski, als er am Dienstag verkündete, nicht wieder für den Posten des Landeschefs kandidieren zu wollen. Ein Rückzug? Diesen Eindruck will der 68-Jährige tunlichst vermeiden und lässt offen, ob er wieder für das Berliner Abgeordnetenhaus oder sogar den Bundestag kandidiert. AfD-Fraktionschef im Berliner Landesparlament will Pazderski erst einmal bleiben.

Im ersten Moment mag die Entscheidung des Oberst a.D. überraschend wirken, bei genauerem Blick ist sie aber als nächster konsequenter Schritt eines politischen Abstiegs interpretierbar. Die ganz große Parteikarriere blieb Pazderski trotz zweier Anläufen verwehrt. Bevor die völkischen Nationalisten die Partei übernahmen, war er 2013 bis 2015 Bundesgeschäftsführer, 2017 kandidierte er für den Bundesvorsitz, scheiterte aber, weil der »Flügel« mit Doris von Sayn-Wittgenstein eine Gegenkandidatin ins Rennen schickte, die stark genug war, Pazderski den Schritt nach ganz oben zu verwehren. Zwar blieb ihm einer der drei Vizesprecherposten, doch auch diesen konnte er dauerhaft nicht verteidigen. Der gebürtige Rheinland-Pfälzer scheiterte Ende November auf dem Bundesparteitag in Braunschweig an einer Wiederwahl. Wieder war es ein in der Öffentlichkeit fast unbekannter Kandidat, der - vom »Flügel« unterstützt - Pazderski ausbremste.

Dass Ausscheiden aus dem Bundesvorstand, es dürfte ihn tief getroffen haben, galt er doch als emsiger Verfasser von Strategiepapieren. Ebenso eifrig war sein Bemühen, den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke gegen sich aufzubringen. Mehrfach mahnte er den »Flügel« zur verbalen Mäßigung, um inhaltliche Fragen ging es nur am Rande. Zuletzt provozierte Pazderski im Sommer 2019 Höcke mit seiner Unterschrift unter ein Papier, das dem völkischen Posterboy Personenkult und Spaltungstendenzen vorwarf.

Was Pazderski unterschätzte: Man muss in der AfD vom »Flügel« zumindest toleriert werden, um jemand Großes zu werden.

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