Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Migranten nur als Statisten

Eine internationale Studie hat untersucht, wie Flucht und Migration von Medien behandelt werden

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

Je nach dem politischen Blickwinkel wird darüber gestritten, ob Medien zu viel oder zu wenig, zu positiv oder negativ über Flucht und Migration berichten. Die TU Dortmund versuchte nun in Zusammenarbeit mit der Otto-Brenner-Stiftung in einer internationalen Studie zu klären, welchen Stellenwert Geflüchtete und Migranten in der Berichterstattung tatsächlich einnehmen. Das Ergebnis: Es ist kompliziert. Wie so oft sind verallgemeinernde Aussagen über »die Medien« nur schwer möglich, in den 17 untersuchten Ländern zeigen sich starke Unterschiede.

Die Lage in Deutschland ist sehr speziell: »In keinem anderen Land in der EU wird so intensiv über Migration und Flucht berichtet«, heißt es in der Studie »Stumme Migranten, laute Politik, gespaltene Medien«. Quantitativ seien die Unterschied extrem: Allein die »Süddeutsche Zeitung« und die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« veröffentlichten im Untersuchungszeitraum (insgesamt sechs einzelne Wochen zwischen August 2015 und März 2018) mehr als 1000 Beiträge mit Bezug zu Migration und Flucht.

Zum Vergleich: Mit Ausnahme von Ungarn wurden in alle anderen untersuchten europäischen Staaten im gleichen Zeitraum jeweils nur etwa 100 Artikel veröffentlicht. Für Ungarn wurden jedoch 1500 Beiträge gezählt. Die Autoren der Studie führen dies auf den starken migrationsfeindlichen Kurs von Ministerpräsident Viktor Orbán und die sich daraus ergebende Polarisierung zurück.

Allgemein sind die Berichte in allen Medien deutsch geprägt: »Keine andere Regierung ist international so präsent in der Berichterstattung wie die deutsche, Merkel erscheint um ein Vielfaches öfter als Orbán oder Donald Trump.« Am meisten werde über die Politik berichtet, am wenigsten über die Betroffenen. Als Individuen erkennbar sind Migranten und Geflüchtete in nur 8 Prozent aller Beiträge, in 18 Prozent der Artikel kommen Bürger oder zivilgesellschaftliche Akteure in den Aufnahmeländern zu Wort. Dass es auch anders geht, dass die Betroffenen nicht nur als bloße Statisten oder als eine anonyme Gruppe dargestellt werden müssen, zeigt ein Blick in die USA, die in der Studie als Vergleichsland zur europäischen Berichterstattung dienen. Dort kamen in 65 Prozent der Beiträge Migranten und Geflüchtete selbst zu Wort.

In Europa gibt es nicht nur Unterschiede, wie oft die Betroffenen in den Berichten zitiert werden, sondern auch wo ihre Geschichten spielen. Während in Deutschland, Italien und Griechenland der Fokus der Beiträge im Aufnahmeland liegt, berichten die Medien in den anderen EU-Staaten so, als wären Flüchtlinge und Migranten ein Auslandsthema jenseits der eigenen Grenzen. Für die Autoren ist das einer der Gründe, warum eine gemeinsame europäische Migrations- und Asylpolitik kaum vorankommt.

Auch auf den Kontext von Flucht und Migration werde selten eingegangen. 45 Prozent der untersuchten 2417 Beiträge drehen sich um politische Debatten, nur 4 Prozent beschäftigten sich mit den Hintergründen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln