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»Das ist so surreal«

Die favorisierten dänischen Handballer scheiden bei der EM schon in der Vorrunde aus

  • Von Steffen Trumpf, Malmö
  • Lesedauer: 3 Min.
Ende mit Schrecken: Favorit Dänemark mit Welthandballer Mikkel Hansen (r.) scheitert bei der EM schon in der Vorrunde.
Ende mit Schrecken: Favorit Dänemark mit Welthandballer Mikkel Hansen (r.) scheitert bei der EM schon in der Vorrunde.

Die Weltmeister blickten konsterniert durch die Arena von Malmö, die völlig misslungene Europameisterschaft ließ die dänischen Handballer mit großer Ratlosigkeit zurück. Der bedeutungslose 31:28-Sieg gegen Russland zum Abschluss der Gruppenphase brachte nach dem feststehenden Aus kein Lächeln mehr auf die Gesichter von Superstar Mikkel Hansen und seinen Teamkollegen. »Als Team haben die letzten fünf bis zehn Prozent gefehlt, darauf hätte ich schauen müssen. Das ist meine Verantwortung«, sagte Coach Nikolaj Jacobsen. »Es ist klar: Wenn man rausfliegt, dann habe ich meine Arbeit nicht gut genug gemacht.«

Nach Frankreich verabschiedete sich damit auch ein zweiter Topfavorit bereits in der Vorrunde aus dem Turnier. Für die Handballnation Dänemark ist das ein besonders bitterer Moment. »Vom WM-Triumph zum totalen EM-Fiasko«, schrieb die Zeitung »Berlingske«. Es ist das erste Mal im aktuellen Modus, dass ein Weltmeister direkt in der Vorrunde rausfliegt. Offiziell schließt Dänemark die EM damit auf Platz 13 ab - die schlechteste Platzierung eines amtierenden Weltmeisters oder Olympiasiegers überhaupt. Und niemals stand ein dänisches Team schlechter da, abgesehen von 1998, als sich das Land nicht mal für die EM qualifiziert hatte.

Angesichts einer Armada an Topspielern kommt das Aus der Dänen völlig unerwartet. Aber Leistungsträger wie Hansen oder Rasmus Lauge kamen kaum in Fahrt. Es fehlte über weite Strecken der drei Gruppenspiele an Durchschlagskraft und Ideen, mangelte dagegen aber nicht an vermeidbaren individuellen Fehlern. »Leider konnten wir die Erwartungen nicht erfüllen«, bilanzierte Michael Damgaard. Torwart Jannick Green rang um die richtigen Worte. »Das ist so surreal«, sagte er. »Das ist enorm enttäuschend, eine enorme Leere.«

Diese Leere konnte man den Mienen der Dänen bereits vor dem Spiel ansehen. In der Arena hatten sie live miterlebt, wie die bereits für die Zwischenrunde qualifizierten Isländer immer wieder an Ungarns Keeper Roland Mikler scheiterten und in der zweiten Hälfte völlig untergingen: Durch die 18:24-Niederlage war schon vor dem Anpfiff gegen Russland klar, dass Dänemark raus war.

Die bedeutungslose Begegnung gegen die Russen brachten die Dänen am Mittwochabend dann mit Anstand über die Bühne. »Das Spiel war wichtig für unsere Selbstachtung«, sagte Hansen. Auch Abwehrchef Henrik Möllgaard sah in dem Sieg ein wichtiges Signal: »Das war nicht das lustigste Spiel der Welt, aber wir haben uns herausgekämpft, und der harte Kampf, um zurück an die Spitze zu kommen, hat bereits hier begonnen.«

Wie erwartet sind nun drei skandinavische Teams in der Zwischenrunde dabei - nur eben neben Schweden und Norwegen nicht der große Favorit Dänemark, sondern das kleine Island. Bis zu den Olympischen Spielen im Sommer muss Trainer Jacobsen herausfinden, an welchen Stellschrauben zu drehen ist. Zunächst ist aber die Verarbeitung der EM-Pleite angesagt. »Es wird einige Zeit dauern, sich davon zu erholen«, sagte er kurz nach der Partie. »Für die Spieler geht das Leben schnell weiter. Ich darf nur gegen eine weiße Wand starren und meinen Kopf dagegen schlagen.« dpa/nd

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