Die «Reinigung»

Als ein spätstalinistisches Ritual der SED-PDS den Stalinismus austreiben sollte. Von Kim Schröther

  • Von Kim Schröther
  • Lesedauer: ca. 14.0 Min.
Gerhard Schürer (1921–2010), Kandidat des Politbüros seit 1973, Ende 1989 Mitglied für 25 Tage. Vorsitzender der Staatlichen Plankommission beim Ministerrat der DDR.

Wir haben hier eine Schiedskommission gewählt«, sagt Wolfgang Berghofer am 16. Dezember 1989 auf dem Sonderparteitag der SED-PDS. »Sie ist verantwortlich für die Reinigung, die Erneuerung unserer Partei.« Nur ein paar Wochen später tritt ihr Vizechef aus, er glaubt nicht mehr an Erneuerung. Dies geschieht an dem Wochenende, als nämliche Schiedskommission frühere Exponenten des SED-Politbüros ausschließt. Eine »Reinigung«?

Berghofers Satz findet sich in einer Dokumentation über den Sonderparteitag, die Detlef Nakath und Gerd-Rüdiger Stephan schon 1999 herausgegeben haben. Ihre Arbeit findet nun eine wichtige Fortsetzung in der Veröffentlichung des Tonbandprotokolls der Sitzung der Schiedskommission der SED-PDS vom 20./21. Januar 1990.

Im »Gästehaus an der Spree« waren an jenem Wochenende »die Mitglieder und Kandidaten des ehemaligen SED-Politbüros Hans-Joachim Böhme, Horst Dohlus, Kurt Hager, Joachim Herrmann, Werner Jarowinsk...


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