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Sieben Tage, sieben Nächte

Fragen Sie Ihren Foodbeauftragten!

Während Kleidung immer noch cool, die Heizung warm und das Mobiltelefon neu zu sein hat, wird regional, saisonal und unverpackt gegessen.

Von Regina Stötzel

»Du kannst dir das ja leisten. Ich dagegen ...« Solche Worte, unter Umständen im Zusammenhang mit einer einzigen Praline geäußert, werden zum Glück seltener. Das heißt nicht, dass der Druck nicht mehr besteht, »auf die Linie« zu achten. Nur drückt sich das in jüngeren Generationen anders aus. Interessanterweise hört man dergleichen in der nd-Redaktion von jenen Kolleginnen und Kollegen, die in der DDR erwachsen wurden und bis zur Wende von »Brigitte«-Diäten verschont blieben, zu denen es - so ergaben Recherchen - kein Ost-Pendant gab. »Schwach zu werden« und eine Praline zu verspeisen, könnte man jedenfalls als eine frühe, gesamtdeutsche Essensscham bezeichnen.

Nun ist es keine ganz neue Einsicht, dass Essen politisch ist. So gab man unter Linken schon vor 25 Jahren nur unter vorgehaltener Hand gegenüber sehr guten Freunden zu, sich - ausnahmsweise einmal - bei McDonald’s den Wanst vollgeschlagen zu haben. Die Forderung nach einem guten Leben demonstrierte man mal mit kulinarischen Exzessen, wenn nötig aber auch mal mit dem Verzicht aufs Essen zugunsten von anderen Substanzen, die in dem Moment für hedonistischer erachtet wurden. Auch damals schon aßen viele kein Fleisch, mit diversen Begründungen, häufig allerdings mit der nicht ganz so politischen, dass man es eklig finde. Die Abgrenzung von den Eltern, die es täglich auf den Teller legten, dürfte ein Übriges getan haben.

Inzwischen ist Essen ständig Thema. »Ich esse nur ganz wenig Fleisch. Und wenn, dann bio.« »Weißt du, wie schädlich Avocados für die Umwelt sind?« Oder eben scherzhaft von den weniger Ernährungsbewussten: »Ist das Bio-Wasser?« Aber die Witze werden seltener. Während Kleidung immer noch cool, die Heizung warm und das Mobiltelefon neu zu sein hat, wird regional, saisonal und unverpackt gegessen. Wer ein Riesenschnitzel verdrückt, muss sich schämen, wer sich Essen in Styropor, Alu und Plastik verpackt nach Hause liefern lässt, erst recht. Nur wer das »Dschungelcamp« anschaut, muss sich weniger schämen, denn da dürfen keine lebendigen Tiere mehr verspeist werden.

Allem voraus ist wieder einmal der Markt. Da, wo das Essen »Food« heißt, zum Beispiel in den hippen Abteilungen der Internationalen Grünen Woche in Berlin, ist man bei vegetarischen und veganen Produkten angelangt, »inspiriert durch die Kreislaufwirtschaft«, wie es ein einschlägiger »Foodbeauftragter« der dpa erklärte. Während man hierzulande nicht einmal nehmen darf, was Lebensmittelhändler schon weggeworfen haben, gibt es dort »Krusli« aus »geretteten Lebensmitteln«, »Freggies« unter anderem aus »pflanzlichen Abfällen«, »Incr-Edible« aus »Reis und Abfall«. No Plants were harmed ... Darauf schamlos eine Recycling-Praline - guten Appetit!