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  • Prekäre Beschäftigung

Erinnerungsarbeit zum Billiglohn

Freie Mitarbeiter aus Berliner und Brandenburger Gedenkstätten wollen bessere Vertragsbedingungen

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.
Gedenkstättenmitarbeiter*innen übergeben die Unterschriften.
Gedenkstättenmitarbeiter*innen übergeben die Unterschriften.

»Wir brauchen Arbeitsbedingungen, die uns auf Basis der Anerkennung unserer fachlichen Leistungen eine sichere Existenz ermöglichen«, erklären Sebastian Gerhardt und seine Mitstreiter*innen am Dienstagvormittag in der Senatsverwaltung von Kultursenator Klaus Lederer (LINKE). Gerhardt ist Jahrgang 1968, seit vielen Jahren bietet er als Freiberufler Führungen in der Topographie des Terrors, dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Schöneweide und im Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst an.

Zusammen mit anderen Vertreter*innen vom Bündnis »Geschichte wird gemacht« überreicht er Lederers Büroleiter Andreas Prüfer einen Offenen Brief von über 220 Mitarbeiter*innen aus mehr als 70 Gedenkstätten in Berlin und Brandenburg. In diesem fordern sie umfassende Verbesserungen für ihre Arbeitssituation, unter anderem das Ende sachgrundloser Befristungen, soziale Absicherung, Tarifverträge, den Ausbau gewerkschaftlicher Vertretung und einen Mindesthonorarsatz für Referent*innen von 65 Euro pro Stunde.

Neben Lederer wurde der Offene Brief auch an die Kultur- und Wissenschaftsministerin des Landes Brandenburg, Manja Schüle (SPD), und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Staatsministerin, Monika Grütters (CDU) übergeben.

»Gedenkstätten, Geschichtsmuseen und Erinnerungsorte genießen in Deutschland ein hohes Ansehen und haben eine wichtige gesellschaftliche Funktion«, heißt es in der Erklärung. Anlässlich runder Jahrestage dienten sie »als Orte der symbolischen Abgrenzung von Diktatur und Unfreiheit sowie der demokratischen Selbstvergewisserung«. Besucher*innen könnten an den Orten, die eine »zentrale Stellung im Selbstverständnis von Ländern und Kommunen einnehmen, täglich eine demokratische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft, mit Geschichte und Gegenwart führen«.

An die Beschäftigten in den Einrichtungen würden bei alldem hohe Erwartungen gestellt. Dennoch würden sie auf Grundlage von Werk- oder Honorarverträgen nur für ein geringes Entgelt beschäftigt. In verschiedenen Einrichtungen sollen sie am besten jederzeit verfügbar sein. Dazu kommt: Viele Bereiche der notwendigen Dienstleistungen - von der Besucherbetreuung über die Reinigung bis zum Wachschutz - seien schon vor Jahren ausgelagert worden und werden deshalb immer wieder neu ausgeschrieben. Die langjährige Erfahrung vieler Mitarbeiter*innen auch in diesen Bereichen werde nicht wertgeschätzt, heißt es in dem Offenen Brief. Zumal deren Einkommen häufig nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn lägen. »Von den Freiberuflern aus dem Bildungsbereich machen einige auch noch Tresendienst, also Besucherbetreuung, zu etwa elf Euro die Stunde«, berichtet Gerhardt.

Der Versuch, jetzt gemeinsam die Situation für möglichst alle freien Mitarbeiter*innen zu verbessern, ist für ihn auch ein Ergebnis davon, »dass kleiner angelegte Versuche in den letzten Jahren an verschiedenen Orten gescheitert sind.« Ob es sich dabei um das Anne Frank Zentrum, das Medizinhistorische Museum der Charité, das DDR-Museum oder das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück oder die Topographie des Terrors handelt - die Probleme sind überall die gleichen. Nicht immer stoßen die Freien auf taube Ohren, aber so Gerhardt, »bei wohlwollender Haltung der Leitungen, die es auch gibt, bestand die Reaktion bisher nur in einer Art hilflosen Zustimmung: ›Wir würden ja gern, aber das Geld haben wir nicht.‹«

Das sehen Gerhardt und seine Kolleg*innen anders. »Die Forderungen könnten relativ einfach umgesetzt werden, da sie nur ein paar Prozent des Haushalts der verschiedenen Museen und Gedenkstätten ausmachen würden«, erklärt er. »Mangels gewerkschaftlicher Unterstützung müssen wir uns jetzt selbst vertreten.«

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