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Mehrfacharbeit, Mehrfachfrust

Uwe Kalbe über die zunehmende Zahl an Nebenjobs in Deutschland

  • Von Uwe Kalbe
  • Lesedauer: 2 Min.

Das Gesetz des Faktischen hat seine eigenen Regeln. Nachdem der Arbeitsmarkt vor Jahren prekarisiert, die sozialen Sicherungssysteme perforiert wurden, gilt der heutige armselige Zustand eines ausufernden Billigarbeitskräftemarktes nun als gottgegeben. So, als würden Menschen in wachsender Zahl und nur allzu gern mehrere Jobs gleichzeitig ausüben, um ihre Konsumwünsche besser befriedigen zu können, wird der Boom von Nebenjobs als Zeiterscheinung achselzuckend hingenommen. Doch es ist nicht die unersättliche Konsumgier von Arbeitern und Angestellten, die Grund für ihren gesundheitsgefährdenden Arbeitseifer ist. Sondern die Gier der Wirtschaft nach billigen Arbeitskräften, die für immer schlechtere Bezahlung sorgte und dafür, dass Menschen nun auch schlecht bezahlte Jobs annehmen, um über die Runden zu kommen. Zusammen mit dem Kampf um die Erhaltung des eigenen Lebensstandards, den man den Betroffenen ja wohl kaum vorhalten kann, ergibt sich die Mischung aus Unterwerfung und Frustration, die nicht nur für die Beteiligten ungesund ist, sondern auch für die Gesellschaft.

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Wenn die Billigarbeiter dann das Alter erreicht haben, in dem man früher auf seine wohlverdiente Rente baute, schlägt das System ein zweites Mal zu, weil aus schlechtbezahlter Arbeit auch keine vernünftige Rente entsteht. Zu einem Aufstand der Alten reicht dann leider die Kraft nicht mehr.

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