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Morales’ Vorschlag sorgt für Ärger

Boliviens Bewegung zum Sozialismus diskutiert über Kandidatenduo für die Wahlen

  • Von Martin Ling
  • Lesedauer: 3 Min.
Evo Morales (2.v.l), Ex-Präsident von Bolivien, spricht bei einer Pressekonferenz. Der frühere bolivianische Präsident Evo Morales schickt seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Arce als Kandidat der linken MAS-Partei ins Rennen um die Präsidentschaft in dem südamerikanischen Land.
Evo Morales (2.v.l), Ex-Präsident von Bolivien, spricht bei einer Pressekonferenz. Der frühere bolivianische Präsident Evo Morales schickt seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Arce als Kandidat der linken MAS-Partei ins Rennen um die Präsidentschaft in dem südamerikanischen Land.

Evo Morales und Álvaro García Linera: So lautete von 2005 bis 2019 die Erfolgsformel der Bewegung zum Sozialismus (MAS) in Bolivien, mit der alle Wahlen gewonnen wurden. Morales, ein Indigener, trat als Präsident an, der weiße García Linera als Vize. Das Ziel: Möglichst viel der bolivianischen Bevölkerung jenseits der Oberschicht anzusprechen. Das gelang. Auch am Sieg dieses Duos bei den Präsidentschaftswahlen am 20. Oktober 2019 gibt es keinen Zweifel, lediglich ob der Vorsprung über zehn Prozent lag und somit einen zweiten Wahlgang überflüssig gemacht hätte, war umstritten, führte zu Protesten und wurde zum Vorwand für einen Putsch genutzt, der Morales und viele Mitstreiter ins Exil trieb.

Für die für den 3. Mai von der Interimspräsidentin Jeanine Añez angesetzten Präsidentschaftswahlen soll die Erfolgsformel auf Vorschlag von Evo Morales nun umgekehrt werden: Ein weißer Präsidentschaftskandidat und ein indigener Vize sollen antreten. Als Präsidentschaftskandidat hat Morales in Buenos Aires seinen ehemaligen Wirtschaftsminister Luis Arce nominiert, als Vizepräsidentschaftskandidat soll der frühere Außenminister David Choquehuanca antreten, der wie Morales zum indigenen Volk der Aymara gehört. »Luis Arce und David Choquehuanca sind eine Kombination aus wissenschaftlicher Expertise und ursprünglichem Wissen, sie repräsentieren die Einheit von Stadt und Land, von Körper und Seele«, schrieb Morales nach der Nominierung der Kandidaten. »Wir verfolgen ein politisches Projekt der Befreiung, das bewiesen hat, dass ein anderes Bolivien möglich ist.«

In der Basis der MAS stieß diese Entscheidung zumindest nicht auf einhellige Begeisterung. Einflussreiche Vertreter der MAS kritisieren, dass Arce aus der städtischen Mittelschicht und nicht aus den Arbeiter- und Bauernorganisationen kommt, die das Rückgrat der MAS bilden.

Kritik an der Kandidatur

Der Kleinbauernanführer Álvaro Mollinedo wurde gegenüber dem Privatsender Unitel am deutlichsten: »Die Kandidatur unseres Bruders David Choquehuanca, eines indigenen und Aymara-Führers, wird nicht verhandelbar sein. Wir werden keine ausländische Entscheidung zulassen, auch wenn sie von Bruder Evo Morales kommt.« Sieben Unterorganisationen aus dem Altiplano, die zur MAS gehören, hatten sich vor der Nominierung für Choquehuanca als Präsidentschaftskandidaten ausgesprochen und sind nun enttäuscht. Auch die Kokabauern des Chapare, dort wo Evo Morales seine politische Karriere als Gewerkschafter begann, sprachen sich für Choquehuanca aus.

Evo Morales reagierte auf die Kritik mit einem Appell, die Einheit die Partei zu wahren und der Mahnung: »Manchmal muss man ein Opfer für den Erfolg eines Projektes bringen.« Er sieht in Arce die Garantie für die Fortschreibung des wirtschaftspolitischen Erfolgsmodells in Bolivien und hofft mit ihm Stimmen aus der städtischen Mittelschicht und dem gemäßigten Sektor zu holen.

Unterstützung erhält Morales von Juanita Ancieta, einer weiteren indigenen Anführerin: »Es ist eine organische Entscheidung, wir sind alle Brüder und Schwestern, aber das Land steht an erster Stelle«, sagte sie.

Die sozialen Bewegungen, die Morales unterstützen, forderten für Donnerstag ein Treffen, um eine endgültige Entscheidung über die Wahlfrage zu treffen. Die Präsidentin des Senats, Eva Copa, sagte, »wir nehmen die Kandidatur als einen Vorschlag auf, der von dort (Buenos Aires) kommt und in unseren Organisationen diskutiert werden soll.«

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