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Bildung statt Geldgeschenke

Claudia Krieg über die richtigen Anreize für Polizeianwärter

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Junge Polizisten sollen mit Geld nach Berlin gelockt werden.
Junge Polizisten sollen mit Geld nach Berlin gelockt werden.

Barbara Slowik ist eine Polizeipräsidentin, die sich um ihre Truppe kümmert. Studierenden der Polizeihochschule, die von weit außerhalb kommen, soll beispielsweise Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, teilte sie am Donnerstag mit. Und wer von nicht ganz so weit entfernt nach Berlin reinfahren muss und noch keine Fahrerlaubnis besitzt, soll 1000 Euro Unterstützung für den Führerschein bekommen.

Klingt da schiere Verzweiflung aus den Angeboten der Behördenchefin, weil die Hauptstadtpolizei einfach nicht genug Nachwuchs findet? Nun, da schon weit über die Grenzen Berlins hinaus nach Anwärter*innen gefischt wird, soll es am Führerschein oder am Zimmer nicht scheitern, wenn jemand in Erwägung zieht, seine Berufsausbildung bei der Berliner Polizei zu absolvieren.

Im Sinne der Verbesserung von Ausbildungsbedingungen an sich ist so ein Rundum-Sorglos-Paket keine schlechte Sache. Außerdem weiß man ja: Wer gern Auto fährt, ist bei der Polizei gut aufgehoben, denn da darf noch gebrettert werden, gegen alle Tempo-30-»Klimaretten«-Zonen der Welt. Bloß, dass derzeit öfter Meldungen auftauchen, in denen Berliner Polizeifahrzeuge in Unfälle verwickelt sind, wie zuletzt in Ahrensfelde oder in Marzahn ...

Davon abgesehen, hat die Berliner Polizei eigentlich ein anderes Problem, und das heißt Rechtsextremismus. Um nicht missverstanden zu werden: Niemand soll angesichts der Berliner Wohnungsnot um die Möglichkeit einer Unterkunft gebracht werden. Und Führerscheine werden auch dann noch gebraucht, wenn der letzte Dieselmotor aus der Innenstadt verbannt sein wird. Aber angesichts der anhaltenden Nichtaufklärung rechter Skandale bei Berliner Ermittlungsbehörden sollte die Polizei die 1000 Euro doch besser in Weiterbildungen zu Racial Profiling und Demokratieerziehung investieren. Das wäre dann Qualität statt Quantität - und das ist auch bitter nötig.

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