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Wirkungsloses Verbot

Die rechtsterroristische Truppe »Combat 18« hatte lange Zeit, sich auf ein Verbot vorzubereiten.

  • Von Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 4 Min.
Vor 20 Jahren wurde das Netzwerk »Blood and Honour« in Deutschland verboten. Es diente der Kontaktpflege zwischen rechten Musikern und der Verbreitung neofaschistischer Ideologie. Den Rechtsrockmarkt in Deutschland hat das Verbot nicht geschwächt. Konzerte und CDs mussten nur unter neuem Namen organisiert bzw. vertrieben werden.

Ausgerechnet »Combat 18«, der »bewaffnete Arm« von »Blood & Honour«, wurde damals nicht verboten. Die Gruppierung hatte sich Anfang der 1990er Jahre als Saalschutz für die »British National Party«. Von dieser entfremdete sich die Gründergeneration und schloss sich mit militanten Neonazis zusammen. Aus diesem Kreis stammt auch David Copeland, der 1999 mit Nagelbombenanschlägen in London fast 50 Menschen verletzte.

Lesen Sie auch: NSU-Komplex, Zelle Kassel. Die Morde an Halit Yozgat und Walter Lübcke dürften enger miteinander verwoben sein als bisher eingestanden.

In Deutschland gab es immer wieder Neonazis, die sich unter dem Label »Combat 18« versammelten, Schießübungen durchführten und Anschläge planten. So zum Beispiel ein Zusammenschluss, der sich Mitte der 2000er Jahre in Dortmund gründete. Die Gruppe, in der mindestens ein Spitzel des Verfassungsschutzes aktiv war, erlangte erst später Bekanntheit. Robin S., einer ihrer führenden Köpfe, machte später als Brieffreund der NSU-Terroristin Beate Zschäpe Schlagzeilen. Am Donnerstag klingelte die Polizei im Rahmen ihrer Razzien bei Combat-18-Mitgliedern auch bei ihm in Castrop-Rauxel.

Bei der Reorganisierung von »Combat 18« ab 2012 spielte S. eine zentrale Rolle. Damals hatte er eine Haftstrafe wegen eines Raubüberfalls auf einen Supermarkt abgesessen. Bei Demonstrationen und Konzerten war er immer wieder mit Personen wie William Browning oder Thorsten Heise zu sehen, die als Schlüsselfiguren von »C18« gelten. Die Rechercheplattform »Exif« bezeichnet den NPD-Kader Heise als »Spiritus Rector« von »Combat 18«. Der Brite Bowning sei unter Neonazis eine »Legende« und Anführer von »Combat 18«.

Neben Robin S. war auch Stanley R. von den Durchsuchungen betroffen. Über den nordhessischen Neonazi, dem Kontakte zu den Tatverdächtigen des Mordes an Walter Lübcke im Juni 2019 nachgesagt werden, ist bekannt, dass er an Schießübungen in Tschechien teilgenommen hat.

Interessant ist, wer alles nicht von Razzien betroffen war. Thorsten Heise etwa wurde ebenso verschont wie Marko Gottschalk, Sänger der Dortmunder Rechtsrockband »Oidoxie«. Gottschalk hatte im vergangenen Sommer gegen »Bild« geklagt, weil das Blatt ihn als »Combat 18«-Führungsfigur bezeichnet hatte. Und er bekam recht. Antifaschistische Recherchegruppen warfen »Bild« später vor, schlecht auf den Prozess vorbereitet gewesen zu sein. Denn für Gottschalk war die Gerichtsentscheidung eine Art Persilschein. Auch Nordrhein-Westfalens Innenministerium verneinte anschließend seine Mitgliedschaft bei »Combat 18«.

Da über ein Verbot von der Gruppierung spätestens seit dem Mord an Walter Lübcke öffentlich diskutiert wird, dürften die Ergebnisse der Razzien dürftig ausgefallen sein. Auch die Zahl der Durchsuchungen wirft Fragen auf. Das Innenministerium geht von nur 20 Mitgliedern bundesweit aus. Allein in NRW soll es allerdings laut Landesinnenministerium neun Aktive geben. Doch in dem Bundesland bekam am Donnerstag nur Robin S. Besuch von der Polizei.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums teilte mit, es habe nur dort Durchsuchungen gegeben, wo man »rechtssicher« von einer Mitgliedschaft ausgehe. Das Verbot habe aber auch für alle anderen Personen, die sich »C 18« zurechnen, Konsequenzen. So dürften die Symbole nicht länger offen getragen werden.

Davon abgesehen dürfte sich für Mitglieder nicht viel ändern. Mit den »Brothers of Honour« gibt es seit geraumer Zeit eine Parallel- und Nachfolgestruktur für »Combat 18«. Exif berichtete schon im vergangenen Sommer über die Gruppe, der zahlreiche »C18«- und »Blood & Honour«-Aktivisten angehören sollen. Woher sie kommen, zeigen die »Brothers« ganz offen: Auf ihren Kutten, die denen von Rockerclubs ähneln, steht »28FF28« (»Blood & Honour Forever, Forever Blood & Honour«). Auch der C18-Leitspruch »Whatever it takes« fehlt nicht. Zu einem möglichen Verbot dieser Gruppierung äußert sich das Innenministerium nicht.

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