Volkszählung unter Rittern und Räubern

Kostprobe von den Logiknüssen eines umtriebigen Professors

Von Mike Mlynar

Zum klassischen Repertoire von Denkspielereien gehören Logikrätsel, inzwischen meist Logical (engl.) genannt. Ihr Knobelpotenzial ergibt sich häufig aus dem Unterschied, der zwischen einer natürlichen Sprache (also zum Beispiel Deutsch) und der Sprache der Logik existiert. Die Schwächen der einen sind bekanntlich die Vorteile der anderen und umgekehrt. Die natürliche Sprache macht die Welt erlebbar, weil sie wie die Welt maximal nuanciert ist; die Logik macht sie erkennbar, weil sie extrem stringent ist.

Unter den Konstrukteuren von Logikrätseln tauchen auch viele bekannte Namen aus der Wissenschaft auf. Einer davon ist Raymond Smullyan (1919-2017). Dieser US-Amerikaner war ein höchst vielseitiger Zeitgenosse, nicht nur Mathematikprofessor, sondern auch Konzertpianist, Varieté-Zauberkünstler und Lebensphilosoph, nämlich Taoist. Zu den eher populärwissenschaftlichen Werken unter seinen Veröffentlichungen gehören die »Logik-Ritter und andere Schurken« (Fischer, 1991). Dort spielt auch folgende denkwürdige Geschichte, die kurz so geht:

Auf der Insel der Ritter und Räuber fand eine Volkszählung statt. Das war ein kompliziertes Projekt, denn die Ritter dort sagen immer die Wahrheit, und die dortigen Räuber lügen stets. Befragt wurden unter anderem in vier verschiedenen Häusern vier Ehepaare, wer von ihnen denn Ritter und wer Räuber wäre.

Im ersten Haus rief die Frau ärgerlich: »Wir sind beide Räuber!«

Im zweiten Haus wurde gefragt: »Sind Sie beide Räuber?« - »Mindestens einer von uns«, war die Antwort.

Im dritten Haus sprach der Mann: »Wenn ich ein Ritter bin, so ist meine Frau auch einer.«

Im vierte Haus schließlich freute sich die Frau: »Mein Mann und ich sind vom gleichen Typ, entweder sind wir beide Räuber oder beide Ritter.«

Wer von den acht Ehepartnern ist nun Ritter und wer Räuber? Mike Mlynar