Bittere Bilanz der Aufarbeitung

Vor zehn Jahren wurde der Missbrauch am Berliner Canisius-Kolleg bekannt.

  • Von Simone Schmollack
  • Lesedauer: ca. 5.0 Min.

Es ist klirrend kalt, als Matthias Katsch am 14. Januar 2010 durch den Berliner Tiefschnee stapft, um zu dem Ort zu gelangen, an dem er schon Jahrzehnte nicht mehr war und der doch sein ganzes Leben prägt: das Canisius-Kolleg in Tiergarten. Dieser Donnerstag wird sein Leben mit einem Schlag verändern, die Republik zutiefst erschüttern und eine Welle der Entrüstung, Wut und des Unglaubens auslösen. Katsch, damals 46, berichtet dem Rektor des katholischen Elitegymnasiums Pater Klaus Mertes von der sexuellen Gewalt, die ihm und unzähligen anderen früheren Schülern durch katholische Geistliche einst an der Schule angetan wurde.

An dem Tag sitzt Mertes Katsch gegenüber und sagt nicht: »Das kann nicht sein, so etwas gibt es bei uns nicht.« So, wie das »normal« ist, wenn ein Kind erzählt, ein Pfarrer, ein Lehrer, ein Erzieher habe es »angefasst«. Nein, der Pater sagt: »Ich glaube Euch.« Zwei Wochen später, am 28. Januar, erscheint in der...


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