Schauspieler wie Lars Eidinger sind nur mit sich selbst beschäftigt, meint Paula Irmschler.
Lars Eidinger

Bitte nicht mit Schauspielern beschäftigen!

Schufa der Liebe

Von Paula Irmschler

»First you can’t act, now you can’t stop.« Eine Kolumne mal mit einem Songzitat beginnen, das kommt bestimmt cool. Bitte nicht antworten. Der dazugehörige Song von Robbie Williams ist allerdings ziemlich schlecht. Cool wirken, ziemlich schlecht, ach, Dings, hier, Eidinger! Lars Eidinger hat mal wieder etwas selten Peinliches gemacht und mit seinem Gehabe und Gerede zu seiner 550-Euro-Aldi-Tasche der Gesellschaft den Spiegel vorgehalten, in welchem man zu sehen bekommt, dass Eidinger ein Lurch ist. Das Ding ist: So sind Schauspieler. Sie sind meistens blöd.

Ich habe mal mit welchen zusammengewohnt. Sie haben die ganze Zeit über sich geredet, das kennt man ja schon von diesen Leuten, aber dazu kam, dass sie auch noch unangenehmen Sex hatten. Filmsex, buh. Mit gekünsteltem Stöhnen und »Au ja!« Und am Ende wurde auf affektierte Weise geklatscht, und ich habe noch gehofft, dass es Spanking war und kein Applaus. Einmal mussten sie sich im Rahmen ihres Ausbildungsprogramms in die Kölner Fußgängerpassagen stellen und Menschen beim Shopping stören, um zu fragen, wie sie wirken. Also: wie die Schauspieler als Menschen wirken. Dazu gab es eine Liste, auf der man ankreuzen musste, ob die Person schüchtern, aggressiv, fürsorglich und/oder wasweißichnoch wirkt. Nichts von den Ergebnissen traf zu. Da habe ich es verstanden. Die Schauspielerwerdung ist ein absolut grausames ständiges Mitsichselbstbeschäftigtsein, ohne dass man man selbst was ist.

Na klar wollen wir uns verzaubern lassen von interessanten Figuren, von Filmen, die uns verschlingen, uns identifizieren mit Leinwandheld*innen. Aber wir müssen dringend aufhören, hinter die Fassade gucken zu wollen. DA IST NICHTS. Tom Schilling macht schrecklichen Jazz? Ignorieren! Gwyneth Paltrow und ihre esoterische Gesundheitsscheiße? Ignorieren! Lars Eidinger gibt Interviews? Ignorieren, ignorieren, ignorieren! Aber ihm vorher noch ins Gesicht schreien, dass er aufhören soll, ungefragt obdachlose Menschen zu fotografieren und diese seinen Instagramfollowerarschlöchern vorzuführen. Denn so heilsam es ist, Schauspieler nicht mehr als Menschen begreifen zu wollen, so viel Schaden können sie anrichten, wenn sie unbedingt einen spielen wollen. Und sie halten das, was ihnen passiert, wenn sie von der Bühne kommen, mit den anderen Heinis saufen waren und dann in ihre Geilberlinerwohnung steuern, für das schöne einfache Leben, aus dem sie etwas für ihre nicht mehr vorhandene Persönlichkeit rauspressen können und sich zu Hause einschenken. Lasst euch nicht mehr einschenken, Leute. Hört auf, euch mit Schauspielern zu beschäftigen. Und Robbie Williams macht schon wieder Swing, das darf doch alles nicht wahr sein!