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  • Berlin
  • Tödlicher Polizeieinsatz

Trauer und Demonstration

50 Linke sind in Friedrichshain unangemeldet wegen eines tödlichen Polizeieinsatzes auf die Straße gegangen

  • Von Martin Kröger
  • Lesedauer: 3 Min.
Tödlicher Polizeieinsatz: Trauer und Demonstration

Vor der Tür liegen Blumen, es brennen einige rote Grabkerzen, die offenbar von Trauernden vor dem Wohnhaus in Berlin-Friedrichshain aufgestellt wurden. In diesem Wohnhaus wurde bei einem Polizeieinsatz am vergangenen Freitagmorgen eine 33-jährige Frau durch einen Polizeibeamten erschossen.

Nach ersten Ermittlungsergebnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft soll ein mit der Verstorbenen in einer Wohngemeinschaft lebender Mann die Polizisten gerufen haben. Der Mann soll angegeben haben, von der Frau bedroht zu werden. Beim anschließenden Versuch von Polizisten, sich Zutritt zum Zimmer der Frau zu verschaffen, soll diese Widerstand geleistet haben. Dabei soll die 33-Jährige, so heißt es seitens der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, den Beamten mit einem Messer entgegengetreten sein, woraufhin ein Polizeibeamter von seiner Schusswaffe Gebrauch machte. Die junge Frau verstarb noch vor Ort.

»Wir prüfen, ob eine Notwehrsituation vorlag und der Schusswaffengebrauch gerechtfertigt war«, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner zu »nd«. Einen neuen Ermittlungsstand zu dem tödlich verlaufenen Polizeieinsatz gab es am Sonntag zunächst nicht.

Doch offensichtlich gibt es Zweifel an der offiziellen Notwehrdarstellung der Behörden. Rund 50 mutmaßlich Linksradikale demonstrierten nämlich am Samstagabend durch Friedrichshain für die 33-jährige »Maria«. Dabei wurden Parolen wie »Polizia assassini« gerufen – was aus dem Italienischen übersetzt etwa »Polizisten sind Mörder« heißt. Außerdem wurde nach Polizeiangaben von teilweise Vermummten auch Pyrotechnik abgebrannt und Böller gezündet. Die unangemeldete Versammlung löste sich in der Nähe des Boxhagener Platzes auf. »Wir ermitteln wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz und Sachbeschädigung«, erklärte ein Sprecher der Polizei am Sonntag.

Die Information, dass in dem Zimmer der erschossenen Frau »Antifa-Fahnen« an den Wänden gehangen haben sollen, wie auf einem linksradikalen Infoportal behauptet worden war, wollte die Generalstaatsanwaltschaft Berlin nicht bestätigen. »Keine Ahnung«, sagt Sprecher Martin Steltner dazu.

In Berlin wurden in der Vergangenheit immer wieder Schusswaffen gegen Menschen eingesetzt, die Polizisten mit Messern oder Hiebwaffen bedroht haben sollen. »Derartige Situationen sind enorme Belastungen, da binnen Sekundenbruchteilen die richtigen, wenn auch folgenschweren Entscheidungen getroffen werden müssen«, sagt der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro.

Der Innenexperte der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, Niklas Schrader, fragt sich, wie die Polizei generell mit einem solchen Einsatzszenario umgeht. »Wir müssen gucken, ob man sich in solchen Situationen nicht anders aufstellt und es beispielsweise zum Standard wird, dass Polizeipsychologen hinzuziehen sind, bevor die Beamten in eine Wohnung eindringen, in der sich eine möglicherweise psychisch kranke Person verschanzt hat«, sagt Schrader. Es könnte beispielsweise ein Alarmsystem für Polizeipsychologen als standardisierter Ablauf installiert werden, meint der Linkspartei-Abgeordnete.

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