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Signale der Gier

Das Münchner 5:0 gegen Schalke zeigt, dass Hansi Flicks Stilwechsel zu einem nachhaltigen Aufschwung führt

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.

Natürlich sollte Leon Goretzka über seinen Seitfallzieher sprechen, über sein erstes Ligator in dieser Saison für den FC Bayern, zumal gegen seinen früheren Klub Schalke 04. Das tat Goretzka auch, jedoch ohne Selbstbezogenheit. Der Mittelfeldspieler stellte seinen kunstvollen Treffer vielmehr in Zusammenhang mit jenem übergeordneten Eindruck, den das 5:0 (2:0) gegen überforderte Schalker hinterlassen hatte. »Vieles hat zusammengepasst«, sagte Goretzka, und das Selbstbewusstsein habe man »nicht nur bei mir gesehen, sondern bei der ganzen Mannschaft«.

Es war in der Tat ein beeindruckender Auftritt am Samstagabend, nach dem der Architekt des nachhaltigen Aufschwungs, Trainer Hansi Flick, seinen Spielern gleich einen freien Sonntag gewährte. Im Stile einer Würgeschlange hatten seine Bayern gezeigt, wie unbedingt sie zum achten Mal in Serie Meister werden wollen. Der Bestimmtheit, mit der sie die Steilvorlage der 0:2-Niederlage des Tabellenführers Leipzig bei Eintracht Frankfurt nutzten, war Schalke nicht gewachsen. Herauskam ein sehr einseitiges Spitzenspiel mit den Toren von Robert Lewandowski, Thomas Müller, Goretzka, Thiago Alcántara und Serge Gnabry, nach dem sich der FC Bayern dem Spitzenreiter auf einen Punkt genähert hat und bereits im direkten Vergleich am 9. Februar aus eigener Kraft den ersten Platz erobern kann.

Auch später sendeten die Münchner jene Signale der Gier, die schon das Spiel geprägt und mit dem 4:0 bei Hertha BSC vor acht Tagen zu ihrem besten Rückrundenstart in der Geschichte geführt hatten. »Die größte Qualität war die Gier von Anfang an«, sagte Müller und führte aus, dass jeder mitgemacht habe in der Defensive und in den Zweikämpfen, bei denen die Ballgewinne die Mannschaft weiter angestachelt hätten nach dem »Extra-Kick« durch die Leipziger Niederlage. Dass deren Trainer Julian Nagelsmann in Frankfurt am Main eine kleine Wutrede über die fehlende Titelgier in seiner Belegschaft gehalten hatte, fügte sich dazu ins Bild.

Wie ein Gegenentwurf dazu hatte sich der Rekordmeister präsentiert, getragen von Flicks Stilwechsel hin zur offensiven Verteidigung nach der Amtsübernahme im November von Niko Kovac, der abwartender agieren ließ. »Er hat ein Klima geschaffen, in dem wir uns alle wohlfühlen«, sagte Goretzka über Flick, »und er hat an einigen Schrauben gedreht.« Taktisch und bei der inneren Haltung. Exemplarisch für Bayerns Überzeugung, Gemeinsinn und erdrückende Dominanz stand der vierte Treffer, als die feinfüßig veranlagten Thiago und Joshua Kimmich den Ball giftig eroberten, Lewandowski anschließend uneigennützig querlegte und Thiago locker einschieben konnte.

»Easy goal«, sagte Müller vergnügt und wertete das einfache Tor als Ausdruck jenes Selbstverständnisses, das Flicks Elf durchweg ausgestrahlt hatte. Man habe dem Gegner gleich gezeigt, befand Müller, »hier ist nichts zu holen.« Die individuelle Qualität, befand er später wie ein überzeugter Weissager, »als ein Ganzes auf den Platz zu bekommen - das ist das Geheimnis unseres zukünftigen Erfolgs.« Hinzufügen ließ sich: auch des aktuellen Erfolgs. In der Winterpause sprach alles von Personalnot. Hinzukam die 2:5-Testspielniederlage beim Zweitligisten Nürnberg. Die Botschaft dieses Sieges mit fünf Ausrufezeichen formulierte fast wortgleich wie Goretzka auch der andere ehemalige Schalker Manuel Neuer. »Alle in der Bundesliga wissen, dass der FC Bayern wieder da ist«, sagte der torhütende Kapitän.

Geschenkt, dass die Münchner von zwei Fehlern des Schalker Torwarts Markus Schubert profitierten, der neben einigen starken Paraden auch weitere Unsicherheiten gezeigt hatte und fürchten muss, dass ihm am kommenden Freitag bei Hertha BSC Neuers künftiger Münchner Herausforderer Alexander Nübel vorgezogen wird. »Ich glaube, mit seiner allerbesten Leistung hätte Bayern heute trotzdem gewonnen«, sagte Neuer über Schubert und die eigenen Kollegen zugleich, »wir haben alle ein gutes Gefühl, spielen mit breiter Brust.« Und bei allem Ehrgeiz auch mit einer Leichtigkeit, die der öffentlich oft sehr beherrschte Neuer mit kleinen Scherzen unterlegte. Wie in Bezug auf Leipzig, als er an die 1:5-Niederlage der Bayern bei der Eintracht im letzten Spiel von Kovac erinnerte. »Auch andere starke Mannschaften haben schon in Frankfurt verloren«, witzelte Neuer.

Dass die Selbstgewissheit wieder zurück ist beim Meister, nahm auch Hasan Salihamidzic erfreut auf. »Es hat richtig Spaß gemacht zuzuschauen«, sagte der Sportdirektor und ließ anklingen, vor Ende des Wintermarkts am Freitag und nach der Leihe von Real Madrids Rechtsverteidiger Álvaro Odriozola keine Notwenigkeit mehr für weitere Transfers zu erkennen. Der Neuzugang saß gegen Schalke 90 Minuten auf der Bank, gibt dem Trainer mit den bald wieder genesenen Lucas Hernández, Javier Martínez und Kingsley Coman aber weitere Möglichkeiten auf hohem Niveau. Bedrohlich muss auch das für die Konkurrenz klingen. Für Salihamidzic klingt es zunächst einmal nach einem ruhigen Transferfinale. Man halte sich natürlich alles offen, sagte er, aber: »Ich sehe das sehr gelassen.«

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