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Amthor tritt ins deutsche Fettnäpfchen

Der CDU-Politiker provoziert mit der Aussage, Antisemitismus sei in Deutschland vor allem wegen der Migration von Muslim*innen ein Problem

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.
Hat sich in einem Interview mit ntv zu weit aus dem Fenster gelehnt: Der 27-jährige CDU-Politiker Philipp Amthor.
Hat sich in einem Interview mit ntv zu weit aus dem Fenster gelehnt: Der 27-jährige CDU-Politiker Philipp Amthor.

Es ist ein heikles Thema: Der Umgang mit der deutschen Schuld an der Ermordung von mehr als sechs Millionen Juden durch die Nazis. Erst kürzlich tappte die »Tagesschau« in die Falle: In einem Kommentar der Journalistin Sabine Müller wurde das Verhalten Israels und Russlands bei der Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz als »unwürdig« kritisiert. Zahlreiche Medien kritisierten die »Tagesschau« für die Veröffentlichung des Meinungsbeitrages auf der Homepage des Senders und im Hessischen Rundfunk. Der Vorwurf: Als Land der Täter*innen könne man anderen Nationen nicht vorschreiben, wie sie mit Antisemitismus umgehen und wie sie an die Shoah erinnern sollten.

Trotz des Wirbels um den »Tagesschau«-Kommentar tritt nun der CDU-Politiker Philipp Amthor in ein ähnliches Fettnäpfchen. Gegenüber dem Nachrichtensender ntv sagte er, dass »Antisemitismus natürlich vor allem in muslimisch geprägten Kulturkreisen besonders stark vertreten ist«. Vor dem Hintergrund der Migration in Deutschland in den vergangenen Jahren seien »an dieser Stelle natürlich viele Sorgen für die jüdische Bevölkerung da«.

Wie die »Tagesschau« kritisiert auch Amthor den Umgang von Bevölkerungsgruppen mit der Shoah und vergisst dabei, auf wessen Konto die Shoah geht. Das konnte nicht lange gut gehen: Kaum hatte der Jungpolitiker sein Interview beendet, wurde er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter massiv kritisiert. Zunächst meldete sich die SPD-Politikerin und Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli zu Wort. Sie schrieb: »Lieber Philipp, der Holocaust ist eine deutsche Schande, keine muslimische. Richtig ist: Der Kampf gegen Judenhass muss AUCH der Kampf der Muslime sein.« Binnen weniger Stunden wurde der Tweet mehr als 1000 Mal geliked und mehr als 100 Mal retweetet, also von anderen Twitter-Nutzer*innen weiter verbreitet.

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, äußerte sich auf Twitter: »Ausgerechnet am Gedenktag für den bürokratisierten, industrialisierten Massenmord Nazi-Deutschlands an sechs Millionen Juden auf so eine Idee zu kommen - das zeigt das ganze Ausmaß des Problems in diesem Land.«

Und der Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz kritisierte: »Als deutscher Abgeordneter am Jahrestag der Befreiung von Auschwitz bei allem rechtsextremistischen Antisemitismus heute - inklusive dem Anschlag von Halle - Antisemitismus vor allem als «muslimisch» zu verorten, irritiert massiv.« Auch diese Twitter-Nachricht wurde viel geliked und weiterverbreitet.

Angesichts des drohenden Shitstorms sah sich Amthor gezwungen, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zu erklären, er fühle sich missverstanden. Nur drei Stunden nach seinem Interview sagte er, er habe »auf die Frage geantwortet, was sich in den letzten Jahren verändert hat«. Für ihn sei aber dennoch »völlig klar, dass die größte Gefahr im Bereich des Antisemitismus natürlich von Rechtsextremisten ausgeht«. Das belegten auch die polizeiliche Statistik »und der notwendige Schwerpunkt unseres politischen Handelns«.

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