Werbung

Viraler Rassismus

Der Coronavirus verhilft Rassisten zu einem neuen Thema im Netz: China

  • Von Fabian Hillebrand
  • Lesedauer: 3 Min.
Atemschutzmaske oder doch besser Beruhigungsmittel? In sozialen Netzwerken kritisieren Nutzer*innen die Aufregung um das Coronavirus. Ein Thema, das mittlerweile auch Rassisten angezogen hat.
Atemschutzmaske oder doch besser Beruhigungsmittel? In sozialen Netzwerken kritisieren Nutzer*innen die Aufregung um das Coronavirus. Ein Thema, das mittlerweile auch Rassisten angezogen hat.

Über den Mikrobloggingdienst »Weibo«, eines der interaktionsstärksten sozialen Netzwerke in China, postete die Kommision für Politik und Recht der Kommunistischen Partei ein bemerkenswertes Statement: Die lokalen Kader der KP wurden zu mehr Transparenz im Umgang mit dem Coronavirus aufgefordert. Wer Infektionen und Neuansteckungen vertusche, und das Ansehen von Politikern über das »Interesse des Volkes« stelle, gehe als »Sünder« in die Geschichte ein.

China scheint aus dem Ausbruch des SARS-Virus gelernt zu haben. 2002 kamen rund 800 Menschen ums Leben. Auch, weil die chinesischen Behörden intransparent mit dem Ausbruch umgingen und das wahre Ausmaß der Epidemie verschleierten.

Ein Virus ist ein Virus
60 Millionen Menschen in China in Quarantäne bei »nur« 4500 anerkannten Infektionen - das trägt nicht zu Vertrauen bei

Diesmal sind die Behörden anders vorbereitet, die Krankenhäuser sind besser ausgestattet, und auch die Krankheit selber scheint weniger tödlich als das SARS-Virus. Trotz des harten bis überharten Umgang der chinesischen Regierung, die Abriegelung einer ganzen Stadt ist wahrscheinlich nur in einem autoritären Staat möglich, gibt es Befürchtungen und Angst bis hin zu blankem Rassismus.

Eine Online-Petition aus Malaysia sammelte mehr als 400 000 Unterstützer. Darin wird ein Einreiseverbot für Chinesen gefordert. Die Krankheit habe sich durch eine »unhygienische Lebensweise« verbreitet, so wird in der Petition Rassismus gegen die chinesische Bevölkerung geschürt.

In Frankreich, wo es mehrere Fälle von Infektionen durch das Coronavirus gibt, beklagen Menschen diskriminierendes Verhalten. Unter dem Hashtag #JeNeSuisPasUnVirus (Ich bin kein Virus) berichten sie in den sozialen Netzwerken von ihren Erfahrungen mit Rassismus seit Aufkommen des Virus. »Ich bin Chinese. Aber ich bin kein Virus. Ich weiß, dass die ganze Welt gerade Angst hat. Aber das ist bitte kein Grund für Vorurteile«, schreibt der Nutzer Lou Chengwang auf Twitter. »Ein Virus kann man heilen, Nazis nicht«, schreibt ein anderer.

Auch im deutschsprachigen Raum gibt es massenhaft rassistische Kommentare im Netz. »Was mit dem Coronavirus auf uns zukommt, ist übrigens auch ein frischer Nährboden für Rassismus. Achtet aufeinander, achtet auf eure eigenen Gedanken und Worte und Taten.« schreibt Linn Hierse, Redakteurin bei der »Taz« auf ihrem Twitteraccount. Die Leipzigerin Nhi Le fügt hinzu: »Alle, die Witze über Asiat*innen und Coronavirus machen, bekommen eine Schelle. Don't even try to wrap your racism into a joke.«

Aber auch große Medien spielen mit: In Wien wurde ein Verdachtsfall des Coronavirus untersucht: Die Stewardess einer chinesischen Airline wurde in Wien untersucht. Der Webauftritt von OE.24 bebilderte einen Artikel darüber mit einer Frau mit Kopftuch. Schon klar.

Bei den meisten Karten, die in den abendlichen Nachrichtensendungen über die Bildschirme flimmern, wird schon bei einem bestätigten Fall das ganze Land in Virusrot gefärbt. Sieht dann schön gefährlich aus, die Welt. Kein Wunder, dass vielerorts in Deutschland die Atemschutzmasken bereits ausverkauft sind. Man kann schon fast von der Lust an der Seuche sprechen, sagt der Mediziner Andreas Wulf von der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!