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Der erste Schritt der Aufholjagd

Dynamo Dresden startet mit neuen Spielern und einem Sieg in die Rückrunde der 2. Liga

  • Von Christoph Ruf, Dresden
  • Lesedauer: 3 Min.

Der Schütze des Dresdner Siegtores hatte nach dem Schlusspfiff noch eine weitere Ohrfeige für den Karlsruher SC parat. Die Frage eines Radioreporters, ob er denn auf dem Platz das Gefühl gehabt habe, die Partie könne noch kippen, beantwortete Marco Terrazzino negativ: »Ehrlich gesagt, hatte ich nicht das Gefühl, dass noch etwas passiert.«

Das war nach dem spielentscheidenden Treffer des ehemaligen Freiburgers die zweite Grausamkeit des Neu-Dresdners. Schließlich gewann Dynamo am Ende ja nur 1:0, und der KSC hätte nach dem Rückstand aus der 38. Minute noch über 50 Minuten Zeit gehabt, die Führung des Tabellenletzten auszugleichen. Doch außer einer Halbchance von Philipp Hofmann (73.) passierte gar nichts mehr. Wehrlos, streckenweise fast schon apathisch nahm der KSC hin, dass die zuvor abgeschlagenen Sachsen nun bis auf vier Zähler an die Badener herangekommen sind. Wobei die nackten Zahlen nicht ansatzweise beschreiben, was der Sieg im traditionell fiebrigen Umfeld der SG Dynamo ausgelöst hat: Nicht mehr und nicht weniger als den radikalen Stimmungsumschwung von tiefer Resignation hin zu vorfreudigem Optimismus.

Nach einer völlig verhunzten Vorrunde unter dem jungen Trainer Christian Fiél hatte Sportchef Ralf Minge spät die Reißleine gezogen und Anfang Dezember mit Markus Kauczinski einen Nachfolger präsentiert, der zwar sofort einen Stimmungsumschwung hinbekam, mit seinem Team aber trotz leichten Aufwärtstrends in Osnabrück und Nürnberg verlor. Nun, bei seinem ersten Dynamo-Heimspiel vor 27 595 Zuschauern spielte seine Mannschaft dominant und zeigte auch in der Schlussphase kein Nervenflattern. Die Fans dankten es mit trommelfellerschütternden Dezibel, die bei den Spielern offenbar weitere Adrenalinschübe auslösten: »Das war geil heute im Stadion«, meinte Torschütze Terrazzino, der das Ganze ähnlich empfand wie der neidische Karlsruher Torwart Benjamin Uphoff: »Hier muss man nur den Ball nach vorne spielen, und das Stadion geht voll mit.«

Terrazzinos Dresdener Sturmkollege Patrick Schmidt, der vorher im eher beschaulichen Heidenheim gespielt hatte, schloss sich dem an, schien aber irgendwann regelrecht zu erschrecken über all die Emotionen, die ihm auch aus dem Pulk der Reporter entgegenschwappten. »Das war aber auch nur der erste Schritt von einigen, die wir noch gehen müssen«, schob er schnell nach und fand damit eine ähnliche Formulierung wie Trainer Kauczinski, der von einem »langen, langen, langen Weg, der noch vor uns liegt«, sprach.

Das stimmt, und dennoch ist mit dem 1:0-Sieg nun erst mal die Grundlage für so etwas wie eine Aufholjagd gelegt - vor allem emotional. Bei einer dritten Niederlage hätte es wohl auch Kauczinski, der mit seiner unverstellten Art und seiner Neugierde gut in Dresden ankommt, schwerer gehabt, die Spieler von seinem Weg zu überzeugen. So will er nun die Mannschaft Stück für Stück weiterentwickeln; vor allem im taktischen Bereich herrscht Nachholbedarf.

Was das Große und Ganze angeht, ist der gebürtige Gelsenkirchener allerdings bereits voll angekommen in Dresden: »Das erinnert mich schon sehr an Schalke, wie hier jeder Taxifahrer und jeder, den du in der Stadt triffst, sofort auf den Verein zu sprechen kommt«, sagt Kauczinski, der mit Dynamo gerne mittelfristig etwas aufbauen würde, derzeit aber heilfroh ist, wenn irgendwie der Klassenerhalt gelingt. Dass man im Winter mal eben sechs neue, zum Teil bundesligaerfahrene Spieler wie Ondrej Petrak (Nürnberg) verpflichten konnte, dürfte ihm dabei sehr zugutekommen.

Dresdens Anhänger hatten derweil vor dem Spiel mit einer beeindruckenden Choreografie aufgewartet, in der sie noch mal mit der zum »Krieg dem DFB« gehörenden Tarnfleck-Optik spielten, die einst vielen Fans von Dynamo hohe Geldstrafen eingetragen hatte. Dass damals ausschließlich Anhänger ins Visier der Karlsruher Staatsanwaltschaft geraten waren, die den Fanmarsch organisiert hatten, sich dabei selbst aber nichts zuschulden hatten kommen lassen, wurde auf dem dazugehörigen Transparent kritisiert: »Verurteilt für ein Verbrechen, das sie nicht begangen haben«, war nun groß im Dresdner Stadion zu lesen.

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