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Berlinale

Einfach mal nachschauen

Christof Meueler über den Naziskandal der Berlinale

Von Christof Meueler

Das ist mal wieder eine typisch deutsche Geschichte. Eine der Verdrängung und Verharmlosung, so, wie man in der BRD seit jeher die Nazizeit vergessen machen möchte. Alfred Bauer war der erste Leiter der Berlinale, von 1951 bis 1976. Als er 1986 starb, lobte ihn dpa, er habe dem Filmfestival über »kritische Zeiten« hinweg geholfen.

Noch mehr hat er sich selbst geholfen, als er nach dem Krieg systematisch sein Leben umlog. Er war Mitglied in NSDAP, SA, Nationalsozialistischem Deutschen Studentenbund, Nationalsozialistischem Rechtswahrerbund und Nationalsozialistischer Volkswohlfahrt, wie die »Zeit« nun enthüllte. Zeitweise war Bauer »der zweite Mann in der Reichsfilmintendanz«, einem der wichtigsten Posten in der deutschen Filmwirtschaft. Nach 1945 tat er so, als wäre er nur ein kleines Licht gewesen und stilisierte sich zum Antifaschisten. Doch im Mai 1942 lobte ihn die Gauleitung Mittelfranken als »eifrigen SA-Mann«: »seine politische Einstellung ist einwandfrei«.

Interessiert hat das bislang niemanden. Bauers Unschuldslegende überlebte alle Berlinale-Chroniken und Wikipedia-Einträge. Mitten in der sogenannten Informationsgesellschaft, trotz aller Erforschungen der NS-Geschichte. Bauers NS-Vita war nicht geheim, nur verschwiegen. Aber in den Archiven zu finden. Die »Zeit« ging einfach nachschauen, kurz vor dem 70. Jubiläum der Berlinale. Als Bauer starb, wurde das »künstlerische Profil« gefeiert, das er der Berlinale gegeben habe. Und offenbar seinem eigenen Leben. Das ist mal wieder eine typisch deutsche Geschichte.

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