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Zurück in der Spur

Mit einem 3:1-Sieg in Mainz gelangt der FC Bayern München wieder an die Tabellenspitze

  • Von Frank Hellmann, Mainz
  • Lesedauer: 4 Min.

Es war irgendwie bezeichnend, dass Manuel Neuer nach einem entspannten Arbeitstag im rheinhessischen Dauerregen genügend Zeit für sich hatte. Gratulierende Mitspieler vom FC Bayern kamen beim unterbeschäftigten Kapitän nach Schlusspfiff nicht vorbei, weshalb der Nationaltorwart in Seelenruhe seine Utensilien sortierte, sich der Handschuhe und des Trikots entledigte, um artig dem Schiedsrichtergespann und den Verlierern vom FSV Mainz 05 die Hand zu reichen. Dann folgte - im ärmellosen grünen Unterziehhemdchen - der Gang zum Anhang, der den Evergreen »Deutscher Meister wird nur der FCB« intonierte. Genau diese Überzeugung verbreitet sich gerade landauf, landab auch bei allen, die nicht in der Münchner Fankurve stehen.

Dem Rekordmeister hatte beim 3:1 am Mainzer Europakreisel eine starke halbe Stunde genügt, die restlichen 60 Minuten fand auch Trainer Hansi Flick »nicht Bayern-like«. Selten ließ sich das so leicht verschmerzen wie an diesem Samstag. Die Punkteteilung am selben Abend zwischen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach katapultierte den Rekordmeister dahin zurück, wohin er nach seinem Selbstverständnis gehört, aber nur nach dem sechsten Spieltag Anfang Oktober stand: an die Tabellenspitze.

Für Flick ist der Wachwechsel »ein netter Nebeneffekt«, aber es gebe eben »kaum eine andere Mannschaft mit einer derartigen Qualität«, stellte der tiefenentspannte Fußballlehrer fest. Drei Rückrundenspiele (zuvor 4:0 bei Hertha, 5:0 gegen Schalke) - und sechs Bundesligasiege in Serie - haben ausgereicht, um die Hackordnung wieder herzustellen. Leipzigs Punktevorsprung als Herbstmeister ist geschmolzen wie Schnee bei Föhneinbruch. Und wenn die Bayern am Sonntag das Spitzenspiel gegen die Sachsen gewinnen, haben auf einmal sie vier Zähler mehr auf dem Konto als der ärgste Herausforderer.

Er möge es nicht, »zu weit nach vorne zu schauen«, erklärte Flick. Vorher ist ja noch das DFB-Pokalachtelfinale gegen die TSG Hoffenheim (Mittwoch 20.45 Uhr) zu bestreiten, das den 54-Jährigen mit seiner eigenen Karriere konfrontiert. Der in Heidelberg geborene, im Dörfchen Bammental im Rhein-Neckar-Kreis beheimatete Coach besitzt als langjähriger Ratgeber und Angestellter einen besonderen Bezug zum Dietmar-Hopp-Klub, der die Bayern in der Hinrunde in ihrer Arena besiegte. Doch für die Wiederholung eines solchen Beutezugs spricht gerade nicht viel.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic sieht im neuen Jahrzehnt »bis jetzt keine großen Probleme«. Klar, der Kader sollte für »die wichtigen Spiele in der heißen Phase« - vorrangig ab dem Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Chelsea - breiter werden. Lucas Hernandez, Kingsley Coman und der in Mainz eingewechselte Serge Gnabry nannte Salihamidzic als Kandidaten, die dann voll auf der Höhe sein sollten. Doch Flick (»Ich mache meine Spieler lieber einen Kopf größer«) hat mit seiner positiven Art Potenziale geweckt: Aus dem unter Kovac als Sicherheitsrisiko geltenden Thiago sei mit Joshua Kimmich im zentralen Mittelfeld »ein Stabilisator« geworden, lobte Flick, der für den hochbegabten Spanier eine Rolle gefunden hat, in der defensive Ordnung und offensive Entfaltung sich nicht mehr ausschließen. »Es freut mich auch ungemein, dass Thiago sich nun zum dritten Mal in Folge in die Torschützenliste eingetragen hat.«

Thiagos Dribbling zum 3:0 war eine Augenweide (26.), zuvor hatten Gerd-Müller-Spurenleser Robert Lewandowski nach Maßflanke von Benjamin Pavard mit seinem 22. Saisontreffer und 150. Bayern-Tor (8.) und Flick-Profiteur Thomas Müller nach klugem Rückpass von Leon Goretzka (14.) die Kräfteverhältnisse bereits geklärt. Dass der unter der Woche im internen Trainingsturnier von Jerome Boateng geschlagene Goretzka am Gegentor von Jeremiah St. Juste (45.) beteiligt war, ließ sich genauso leicht wie die Handgreiflichkeit der Teamkollegen verschmerzen. »Da hat es in beide Richtungen gemenschelt«, meinte Müller mit einem Augenzwinkern über die längst versöhnten Streithähne, die sich demonstrativ beim Aufwärmen abklatschten.

David Alaba machte den Titelhunger seiner Mitspieler übrigens daran fest, »dass jeder im Training mitzieht und Gas gibt«. Für den neuen Abwehrchef war es enorm wichtig, »dass wir gleich wieder ins Rollen kommen und Selbstvertrauen sammeln.« Die Ansage des Österreichers für die nächsten Wochen: »Wenn wir so weitermachen, wird’s vorne spannend.« Eher das Gegenteil ist zu befürchten.

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