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Spannervideos auf der »Fusion«

Frauen wurden auf dem linken Festival beim Duschen gefilmt - ohne dass sie davon wussten

  • Von Katharina Schwirkus
  • Lesedauer: 3 Min.
Sexismus: Spannervideos auf der »Fusion«

Seit mehr als 20 Jahren findet das »Fusion«-Festival jeweils im Sommer auf einem ehemaligen Militärflughafen in Lärz, in Mecklenburg-Vorpommern statt. Was als ein Geheimtipp unter Linken begann, ist mittlerweile riesig geworden: In den vergangenen fünf Jahren kamen mehr als 50 000 Menschen zu dem alternativen Event in der Nähe der Müritz. Dennoch haben sich die Organisator*innen und der Träger »Kulturkosmos Müritz e.V.« den Anspruch bewahrt, dass »Antisexismus und Gewaltfreiheit« oberste Priorität haben. In diesem Kontext gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen darüber, wie mit Männern auf dem Festival umgegangen werden soll, die ohne T-Shirts tanzen und unangenehm auffallen. Sei es, weil sie viel Raum einnehmen, oder weil sie übergriffig werden.

Seit mehr als zehn Jahren gibt es Strukturen, die mit Awareness-Teams arbeiten. Das sind Menschen, die ansprechbar sind, wenn sich eine Person sexuell belästigt fühlt. Viele Besucher*innen schätzen die »Fusion« somit als ein alternatives Festival, auf welchem man keine Angst vor Übergriffen haben muss.

Die Nachricht, dass ausgerechnet auf diesem Festival im vergangenen Sommer Menschen ohne ihr Wissen und ohne ihre Erlaubnis beim Duschen gefilmt wurden, löst bei Besucher*innen Entsetzen aus. Seit Montagabend ist diese Neuigkeit im Umlauf, weil der Kulturkosmos auf seiner Forumseite eine Stellungnahme dazu veröffentlicht hat. Dort ist zu lesen, dass die Mitglieder des Vereins durch anonyme E-Mails am 28. Januar auf die Videoaufnahmen hingewiesen wurden. Die Videos seien auf der pornografischen Plattform »xhamster« online gestellt worden. In weniger als 24 Stunden wurde dieser Beitrag mehr als 25.000 Mal gelesen, so viel wie kein anderer Beitrag der letzten Monate.

Erst Anfang Januar war bekannt geworden, dass dort auch Spannervideos des kleineren, ebenfalls linken Festivals »Monis Rache« veröffentlicht wurden. Die Organisatoren von »Monis Rache« wussten allerdings schon seit September vergangenen Jahres von den Aufnahmen und machten die Vorfälle zunächst nicht öffentlich. Im Gegensatz dazu veröffentlichte der Kulturkosmos sein Statement, bevor die Nachricht über die Spannervideos durch die Medien verbreitet wurde.

»Schnelle Öffentlichkeit war uns wichtig«, erklärt Andrea, die den Forumseintrag des Kulturkosmos betreut und auf Fragen von Nutzer*innen antwortet. Ihren vollen Namen gibt sie gegenüber »nd« nicht an, das ist bei der Pressearbeit des Kulturkosmos üblich. Sie berichtet, dass sich etwa 20 Menschen beim Kulturkosmos engagieren und einige beim Verein angestellt sind. Deswegen gibt es einen E-Mail-Verteiler, über welchen kommuniziert werden kann.

Als die Mitglieder des Kulturkosmos von den sexualisierten Übergriffen erfuhren, hielten sie über diesen E-Mail-Verteiler Rücksprache, formulierten gemeinsam das Statement und schickten es vor Veröffentlichung an das Awareness-Team der »Fusion«. Der Verein Kulturkosmos reagierte zudem aktiv auf die Vorfälle und stellte sofort Strafanzeige gegen die Videos, als er von diesen erfuhr. Die Videos wurden daraufhin auf der Plattform gelöscht, wie in dem Statement des Vereins zu lesen ist.

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