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Kein Hochhaus in Börgerende

Investor verzichtet auf 67-Meter-Bau und plant Energieforschung im Warnemünde

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.
So sollte das Hochhaus in der Nähe zur Ostsee aussehen.
So sollte das Hochhaus in der Nähe zur Ostsee aussehen.

Als »einzigartiger Augenschmaus« wurde das für Börgerende geplante Hochhaus von Befürwortern des Vorhabens schon bejubelt, als es 2016 nur erst ein Modell war, auf Fotos in den Himmel ragend. Doch jener Schmaus wird den Bürgern und Besuchern der 2000 Einwohner zählenden Gemeinde Börgerende-Rethwisch nicht serviert werden. »Er bleibt ihnen erspart« würde die Bürgerinitiative »67 Meter - Nein« die Entscheidung des Unternehmers Carlo Schmidt vermutlich kommentieren, die besagt: Die Planung für das von ihm so benannten »Haus der Energien«, für das eine Grundfläche von 20 mal 20 Metern vorgesehen war, wird nicht realisiert.

Womöglich ist es Widerstand aus der Bevölkerung, der zu diesem Schritt geführt hat.

Schmidt, er ist Geschäftsführer der Firma »Wind-Projekt«, hat mittlerweile das Alte Zollhaus in Warnemünde gekauft. Es heißt, er wolle dort jenes Institut für Windtechnik, Energiespeicherung und Netzintegration einrichten, das ursprünglich im nun in der Versenkung verschwundenen Hochhaus für die Universität Rostock entstehen sollte. Für den 67-Meter-Bau waren darüber hinaus eine Wetterstation, ein Hotel mit Restaurant, Wohnungen, eine Cafeteria und öffentlich nutzbare Fitness-Räume geplant.

Der Investor hatte seinerzeit mit allerlei positiven Auswirkungen geworben, die das Hochhaus-Projekt mit sich bringen werde: sichere Gewerbesteuereinnahmen, steigende Bekanntheit der Gemeinde, »größere Beliebtheit und höhere Wohnwertattraktivität« beispielsweise. Auch auf das Attribut »besonderes Ausflugsziel« dürfe sich der Ort dann freuen, vermittelte Schmidt auf einer Internet-Seite zu seinem Vorhaben. Börgerendes Gemeindevertretung befürwortete mehrheitlich das Konzept, brachte die amtliche Bauplanung in Gang, doch auch die Gegner wurden aktiv.

Das Projekt verschandele die Gegend, argumentierten sie, bekamen Unterstützung vom Bund für Umwelt und Naturschutz. Jene Organisation gab zu bedenken: Der geplante Bau liege im Küstenstreifen, in einem Gebiet für die Zugvogelrast. Die Rastflächen gingen verloren, außerdem bestehe für die ziehenden Vögel durch das Gebäude »eine hohe Kollisionsgefahr«. Mit dem Hochhaus würde zudem ein Markenzeichen der natürlichen Landschaft, das durch den ehemaligen Grenzverlauf fast völlig unverbaute »grüne Band« der Ostseeküste, preisgegeben.

Um auch dies abzuwenden, wollte die Bürgerinitiative »67 Meter - Nein« den Bau durch ein Bürgerbegehren stoppen. Doch dazu kam es nicht. Am Ende eines Rechtsstreits, in dessen Verlauf die Planungen für das Projekt von der Justiz vorübergehend auf Eis gelegt worden waren, entschied das Oberverwaltungsgericht 2019 im Sinne der Gemeinde und stellte fest: Maßnahmen einer Bauleitplanung können nicht Gegenstand eines Bürgerbegehrens sein.

All dies ist nun »Schnee von gestern«. Angesichts der aktuellen Entscheidung Carlo Schmidts sagte Börgerendes Bürgermeister Horst Hagemeister (parteilos) dem NDR, er bedauere den Rückzug des Investors und er befürchte, dass die Gemeinde nun in »finanzielle Schieflage« geraten werde.

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