Werbung

Mit Ach und Krach

Andrichs später Siegtreffer in Verl verhindert, dass Union Berlin in die Verlängerung muss

  • Von Matthias Koch
  • Lesedauer: 4 Min.
Robert Andrich (l.) im Zweikampf mit Jan Schöppner vom Regionalligisten Verl
Robert Andrich (l.) im Zweikampf mit Jan Schöppner vom Regionalligisten Verl

Matchwinner können auch einsam sein. Rund eine halbe Stunde nach Abpfiff der DFB-Pokalpartie zwischen dem SC Verl und dem 1. FC Union drehte der Berliner Mittelfeldspieler Robert Andrich ganz allein seine Runden auf dem zertrampelten Boden der bereits abgedunkelten Sportclub Arena des Viertligisten in Nordrhein-Westfalen. Die Regeneration für das nächste Bundesligaspiel am Sonnabend bei Werder Bremen begann bereits in Verl.

Dass die Erholungsphase der Köpenicker schon nach 90 Minuten beginnen konnte, verdanken die Eisernen Andrich. Als sich bereits eine Verlängerung abzeichnete, erlöste der 25-Jährige seine Mannschaft und die 1500 mitgereisten Union-Fans mit dem 1:0-Siegtreffer. Andrich knallte den Ball aus rund 18 Metern in den rechten oberen Winkel. »Ich habe versucht, zu antizipieren und vor dem Gegner an den Ball zu kommen. Ich war einen Tick schneller da und habe dann draufgehalten und super getroffen«, sagte Andrich. »Vielleicht war der Schuss ein bisschen abgerutscht. Das war in dem Moment besser, als ihn richtig zu treffen. In die Verlängerung wollte ich nicht unbedingt.«

Die Erleichterung war der Sommerverpflichtung vom 1. FC Heidenheim anzumerken. Den hinter dem Tor jubelnden Union-Anhängern näherte sich Andrich mit einem Jubelsprung. Nach Abpfiff lag er gemeinsam mit den nicht zum Einsatz gekommenen Mitspielern Felix Kroos und Florian Hübner bäuchlings auf dem Boden. Dabei vollführte das Trio schwimmähnliche Armbewegungen. Dieses Torritual hat es bei Union wohl noch nicht gegeben. »Es war ein Torjubel, den wir uns überlegt haben. Es war die erste Möglichkeit, dass wir es machen konnten. Wir wollten etwas nehmen, was scheiße aussieht«, scherzte Andrich.

Die Rasenverhältnisse gefielen den Gästen jedoch nicht. Die Erstligaprofis sind eher gepflegtes Grün gewohnt. Platzfehler sorgten etwa dafür, dass bei Stürmer Sebastian Andersson und Verteidiger Michael Parensen sogar Bälle über das Tribünendach hinausflogen. Auch Andrich versprang hier und da die Kugel.

Nach der 0:5-Pleite bei Borussia Dortmund und vor dem Abstiegsduell in Bremen hat Union jedoch die Pflichtaufgabe erfüllt und im Pokalwettbewerb weitere 1,4 Millionen Euro eingenommen. Das zählt, auch wenn das Spiel in Verl mit Fußball wenig zu tun hatte. »Wir wollten unbedingt weiterkommen. Es war nicht schön. Das ist am Ende aber egal«, meinte Andrich. »Wir haben das Ziel erreicht. Es geht in Bremen weiter. Das wird ein ganz anderes Spiel.«

Werder liegt aktuell auf Relegationsplatz 16 und sechs Zähler hinter Union. Zumindest moralisch ist Bremen im Aufwind. Am Dienstag bezwang die Elf von Trainer Florian Kohfeldt im DFB-Pokal überraschend Dortmund mit 3:2 und damit jene Elf, die Union wenige Tage zuvor so deutlich die Grenzen aufgezeigt hatte. In Bremen wird Andrich als Abräumer im Mittelfeld wieder gefragt sein. Er hat den kaum noch eine Rolle spielenden und derzeit verletzten Aufstiegshelden Manuel Schmiedebach als »Aggressive Leader« abgelöst. »Es freut mich, dass ich so genannt werde. Ich mag es aber nicht, wenn damit nur gemeint ist, dass man aggressiv und eklig ist und in den Zweikämpfen dazwischen haut«, hatte Andrich in der kurzen Winterpause mitgeteilt.

Mit acht Verwarnungen ist Andrich allerdings zu Unions Kartenkönig aufgestiegen. Um eine weitere Sperre wird der gebürtige Potsdamer und Ex-Herthaner nicht herumkommen.

Vor allem im DFB-Pokal zeigte Andrich aber auch schon Offensivqualitäten. In den ersten Runden fiel er sowohl in den Auswärtsspielen bei Viertligist Germania Halberstadt (6:0) und Ligakonkurrent SC Freiburg (3:1) als Torschütze auf. In der Meisterschaft stehen dagegen »nur« drei Vorlagen zu Buche. »Vielleicht hatte ich in der Bundesliga noch nicht das Glück. Aber wenn ich dann wie jetzt wieder so einen wichtigen Treffer erziele, ist mir das auch egal«, berichtet Andrich. »Ich würde mich aber auch freuen, wenn ich mal in der Liga ein Tor machen würde.«

Vielleicht klappt das in Bremen, auch wenn Union um den Einsatz von Torwart Rafal Gikiewicz und Offensivmann Marcus Ingvartsen bangen muss. Beide waren nach dem Spiel wegen einer Knie- beziehungsweise Fußverletzung angeschlagen.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Als unabhängige linke Journalist*innen stellen wir unsere Artikel jeden Tag mehr als 25.000 digitalen Leser*innen bereit. Die meisten Artikel können Sie frei aufrufen, wir verzichten teilweise auf eine Bezahlschranke. Bereits jetzt zahlen 2.600 Digitalabonnent*innen und hunderte Online-Leser*innen.

Das ist gut, aber da geht noch mehr!

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen und noch besser zu werden! Jetzt mit wenigen Klicks beitragen!  

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!