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Widerstand von Frauen

Female Horror

Mit Gesten von Abscheu haben Frauen immer wieder machtvoll öffentlich Politik gemacht - und tun es immer noch

Von Karlen Vesper

»Und er wirft ihr den Handschuh ins Gesicht: ›Den Dank, Dame, begehr ich nicht!‹« In Schillers Ballade von 1797 sollte ein Ritter des königlichen Hofes als Liebesbeweis den Handschuh einer Dame aus einem »Löwengarten« herausholen, in den die Angebetete diesen absichtlich fallen ließ. Er tut’s. Und bekundet ihr dann coram publico seinen Abscheu. Nicht gerade gentlemanlike. Fräulein Kunigunde war aber offenbar auch ein ziemliches Biest. Starke Gesten prägen das öffentliche Bewusstsein, gestern wie heute. In Zeiten der sogenannten Moderne ... - Was an dieser ist eigentlich modern, außer der Technologie? Des Menschen Natur hat sich seit Schiller und Shakespeare, Sophokles und Aischylos nicht gewandelt.

Wie auch immer: Heute ist das vermeintlich schwache Geschlecht Manns genug für starke Gesten. 1968 ohrfeigte Beate Klarsfeld in aller Öffentlichkeit Kurt Georg Kiesinger: »Nazi!« Die Demokratin Nancy Pelosi, Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, zerriss am Dienstag während der üblichen Selbstbeweihräucherung von Donald Trump im Kongress demonstrativ dessen Redemanuskript.

Und am Mittwoch warf Susanne Hennig-Wellsow, Linke-Chefin in Thüringen, dem frisch gekürten Satrapen von Faschisten Gnaden, Thomas Kemmerich, im Landtag ihre Blumen vor die Füße: »Ich schäme mich.« Bilder, die um die Welt gehen. Bewirken sie auch etwas? Durchaus. Kiesinger war erledigt, seine Amtszeit die kürzeste der aller Kanzler. Pelosi bewies, dass nicht die devote Melania für die Frauen Amerikas steht. Und die Erfurterin dürfte sehr wohl die Proteste gegen die schäbige Intrige von CDU und FDP mitbefeuert haben.

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