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Obdachlosigkeit besser verstehen

Marie Frank über Ergebnisse aus der »Nacht der Solidarität«

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 2 Min.
Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg.
Ein Obdachloser liegt unter einer Decke in einem Eingang einer Kirche in Kreuzberg.

So richtig überraschend sind die Ergebnisse der »Nacht der Solidarität« nicht: Die Zählung der Obdachlosen konnte nur eine Momentaufnahme sein, die nicht wirklich etwas darüber aussagt, wie viele Menschen tatsächlich auf Berlins Straßen leben. Dass nur 2000 Menschen gezählt wurden, obwohl Schätzungen von bis zu 10 000 Obdachlosen ausgehen, ergibt sich schon daraus, dass viele ihr Lager lieber auf Privatgrundstücken aufschlagen, wo sie besser geschützt sind als unter einer Brücke oder in einem Bahnhof. Zudem dürften im Sommer weit mehr Menschen auf der Straße übernachten als in einer kalten Januarnacht. Auch, dass sich mancher nicht zählen lassen wollte, schmälert die Aussagekraft der Zahlen zusätzlich.

Viel wichtiger als die genaue Anzahl der Menschen, die ermittelt wurde, ist das, was die Obdachlosen über ihre Lebensrealität erzählt haben. Denn dass die Kältehilfe nicht ausgelastet ist, bedeutet nicht, dass es mehr Schlafplätze als Obdachlose gibt, sondern dass die Angebote nicht den Bedürfnissen entsprechen. Die Ergebnisse dürfen nun also nicht dazu dienen, das Problem kleinzureden. Vielmehr können sie dazu beitragen, Obdachlosigkeit in all ihren Dimensionen zu erfassen. Hier gibt es noch viel Nachholbedarf. So weiß man etwa viel zu wenig darüber, wie viele Obdachlose psychische Krankheiten haben. Die »Nacht der Solidarität« kann also nur ein Anfang sein.

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