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Bernie Sanders mühsamer erster Sieg

Bernie Sanders hat die Vorwahl in New Hampshire mit zwei Prozent Vorsprung gewonnen

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 4 Min.
Unterstützer*innen von Bernie Sanders sollten sich nicht zu früh freuen. Noch ist sein Vorsprung bei den Vorwahlen der Demokraten nur hauchdünn.
Unterstützer*innen von Bernie Sanders sollten sich nicht zu früh freuen. Noch ist sein Vorsprung bei den Vorwahlen der Demokraten nur hauchdünn.

Bernie Sanders hat die Vorwahl in New Hampshire gewonnen – mit 26 Prozent der Stimmen. Der Grund: Ein großes »Feld« mit vielen Kandidaten und eine Spaltung unter den moderaten Wählern der Partei, die fast zu gleichen Teilen Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und weniger als erwartet Joe Biden wählten.

Sanders war von seiner Kampagne bei seinem Wahlkampfabschluss mit einem Auftritt der Band The Strokes vor 7000 Zuschauern wie ein Rockstar inszeniert worden. Er hat nun einem medial wichtigen ersten Vorwahlsieg vorzuweisen. Doch das Ergebnis brachte nach der Aufholjagd von Pete Buttiegieg und Amy Klobuchar in den letzten Tagen nicht den erhofften, deutlichen Sieg. Sanders hatte 2016 in dem Staat mit recht vielen »Unabhängigen«- Wählern noch mit rund zwanzig Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Umfragen hatten ihm noch vor wenigen Tagen rund zehn Prozent Vorsprung zugebilligt. Doch nun gewann er mit nur etwas mehr als einem Prozent Vorsprung.

Anders als für Sanders, dem weiterhin viele Kommentatoren im US-Kabelfernsehen unterschwellig bis offen feindlich gegenüberstehen, gab es in den letzten Tagen viel medialen Rückenwind für den moderaten Demokrat Pete Buttigieg, nachdem er von vielen Medien zum Vorwahlsieger in Iowa erklärt wurde. Sanders hatte dort deutlich die meisten Stimmen gewonnen. Aktuell liegt er mit 0,1 Prozent Rückstand fast gleichauf bei den sogenannten Delegiertenstimmen.

Aggressiver Wettkampf

Die Wahl ist wegen vieler Fehler und Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung noch immer nicht offiziell entschieden. Von den Sanders-Unterstützern wurde das »frische Gesicht« Buttigieg deswegen in den letzten Tagen aggressiv angegangen und als substanzloser Hochglanzpolitiker kritisiert. Trotzdem erreichte er am Dienstag in New Hampshire nach Auszählung von 98 Prozent aller Stimmen 24 Prozent. Doch in landesweiten Umfragen liegt er – noch – mit 9,5 Prozent im Umfragendurchschnitt der Datenjournalisten von FiveThirtyEight relativ weit hinten, dort führt aktuell Sanders mit zwei Prozent vor Biden. Vor allem aber hat Buttigieg fast gar keine Unterstützung von schwarzen Wählern, ohne die kein Kandidat die Demokraten-Vorwahlen gewinnen kann.

In den letzten Wochen hatten prominente US-Meinungsjournalisten auch die »Kloboaufholjagd« herbeigeschrieben. Schon in Iowa schnitt Amy Klobuchar dann mit 12 Prozent etwas besser ab, als Umfragen vorher hatten vermuten lassen. Nun erreichte die Senatorin aus Minnesota 20 Prozent. Sie hat sich klar als moderate Kandidatin positioniert. Laut Exit-Poll-Umfrage aus der Wahlnacht entschieden rund drei Viertel ihrer Wähler erst in den letzten zwei Tagen, die ehemalige Staatsanwältin zu wählen.

Der große Verlierer des Abends Joe Biden mit nur acht Prozent der Stimmen trat offenbar kurzfristig nicht auf seiner Wahlparty in New Hampshire auf, ließ sich nur aus South Carolina zuschalten, wohin er offenbar geflüchtet war. Den Staat betrachtet seine Kampagne als seine »Brandmauer«, weil dort schwarze Wähler rund die Hälfte der Wählerschaft stellen und Biden bisher in hohem Maß unterstützt haben. Doch das scheint sich derzeit zu ändern. Sanders hat den Vorsprung von Biden laut FiveThirtyEight im Umfragendurchschnitt seit Anfang Januar auf aktuell auf nur zehn Prozent halbiert.

Warren stürzt ab

Auch die Kampagne von Elizabeth Warren hat deutlich an Schwung verloren. Sie kam am Dienstagabend nur auf neun Prozent der Stimmen. Genau wie Biden erhält sie deswegen keine nationalen Delegierten, weil sie unter der dafür nötigen 15-Prozenthürde liegt. Ihr Kampangnenmanager hatte am Abend ein deutlich aggressiveres Papier herausgegeben und auch Warren hat unterschwellig schärfer gegen Sanders polemisiert aber sich gleichzeitig als Kandidatin dargestellt, die Progressive und Moderate in der Partei vereinen könne.

Ein möglicher Grund für den Warren-Absturz: Ein Teil ihrer überdurchschnittlich gebildeten Unterstützerschaft scheint einzusehen, dass Sanders die besseren Chancen hat und läuft deswegen zum Senator aus Vermont über. Doch Parteilinke sollten über Folgendes besorgt sein: Derzeit liegen sowohl bei den Ergebnissen in New Hampshire als auch in nationalen Umfragen die beiden progressiven Sanders und Warren deutlich hinter dem moderaten Lager.

Insgesamt werden im Kleinstaat New Hampshire nur 24 der insgesamt fast 4000 Delegierten für den Nominierungsparteitag im Juli in Milwaukee vergeben. Genau wie Iowa hat New Hampshire daher nur symbolische Bedeutung, setzt eine Erzählung fort, wer gewinnen kann und wessen Kampagne »Schwung« hat. Sanders erhält demnach neun Delegierte, Buttiegieg ebenfalls, Klobuchar kann demnach sechs Delegierte für den Parteitag aus New Hampshire mitnehmen.

Obwohl der Underdog und IT-Unternehmer Andrew Yang laut Daten von NPR viel Zeit in New Hampshire verbracht hat – er hatte den Staat häufiger als alle anderen Kandidaten besucht und seit Juli 2018 genau 133 Mal New Hampshire für Wahlkampfveranstaltungen aufgesucht – kam er nur auf 3 Prozent der Stimmen. Auch Michael Bennet, Senator aus Colorado, erklärte das Ende seiner Kandidatur.

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