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Weißenseer Kiez gerät in Bewegung

Das Quartier beiderseits der Langhansstraße soll Sanierungsgebiet werden

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Kultureller Leuchtturm an der Weißenseer Spitze: die »Brotfabrik« am Caligariplatz
Kultureller Leuchtturm an der Weißenseer Spitze: die »Brotfabrik« am Caligariplatz

Der Bezirk Pankow, zu dem seit 2001 Weißensee zählt, ist eine der dynamischsten Berliner Wachstumsregionen. Daran erinnerte Vollrad Kuhn (Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, am Dienstagabend bei einer Informationsveranstaltung in der Aula der Heinz-Brandt-Schule. »Pankow hat inzwischen 410 000 Einwohner, man könnte eigentlich auch von der drittgrößten Stadt Ostdeutschlands sprechen«, sagte Kuhn. Im Blick hatte er die wachsende Nachfrage nach Wohn᠆raum - Pankow hat ein großes Flächenpotenzial für Bauvorhaben.

Reichlich 200 Personen - Anwohner, Mieter und Hauseigentümer sowie Gewerbetreibende - hatten sich eingefunden, um mehr über die Sanierungspläne von Bezirk und Land für ihren Kiez beiderseits der Langhansstraße zwischen Prenzlauer Promenade und Berliner Allee zu erfahren. Seit Jahren bemühen sich Anwohnerinitiativen, wie etwa der Verein Weißenseer Spitze, bei ihren Mitbewohnern das Interesse für die Geschichte und Entwicklung ihres Stadtteils zu wecken und Möglichkeiten für seine allseitige Belebung und Modernisierung zu erschließen.

Dabei geht es - nicht erst, seit die ersten luxuriösen Neubauten in den altersgrauen Straßenzügen entstehen - auch darum, einer drohenden Verdrängung vor allem der alteingesessenen Mieter und Gewerbetreibenden entgegenzutreten. Die Initiativen haben dabei den Bezirk auf ihrer Seite, das 95 Hektar große Gebiet an der Langhansstraße, in dem 13 000 Menschen leben, ist hier eines von 13 Milieuschutzgebieten. Auch das Land Berlin zieht mit. Letzten Herbst hatte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) mitgeteilt, dass das Land in dem Viertel im Allgemeinwohlinteresse das Vorkaufsrecht ausüben könne. Es gebe »stadtplanerische Überlegungen« zu einem Sanierungsgebiet. Untersuchungen dazu hatte der Senat im Juni beschlossen.

Am Dienstag präsentierte sich nun die »Stern Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung« den Weißenseern. Im Auftrag der Senatsverwaltung nimmt sie das Projekt »Sanierungsgebiet« in Angriff - ein aus Sicht von Laien, wie sich rasch zeigte, vor allem zeitaufwendiges Verfahren. Es wird eine Geduldsprobe.

Der erste Schritt dazu sind, wie Stern-Geschäftsführer Theo Winters erläuterte, die im Baugesetzbuch vorgeschriebenen »Vorbereitenden Untersuchungen«. Ein Prozess, der unter umfassender Bürgerbeteiligung erfolgen soll und mit einer Bestandsaufnahme der sozialen, strukturellen und städtebaulichen Verhältnisse beginnt. Dazu gehören der Zustand von öffentlichen und privaten Gebäuden und Freiflächen, ebenso wie aller öffentlichen Einrichtungen wie etwa Schulen und Kitas, aber auch die Erhebung der Verkehrssituation, die Betrachtung von Wirtschaft und Gewerbe oder Kultur.

Die Stadterneuerer stehen ganz am Anfang. Benedikt Vos von Stern etwa ließ wissen, dass man nach einer ersten Inaugenscheinnahme bei der Hälfte der Gebäude nur leichten und bei sieben Prozent mittleren Modernisierungsbedarf ausgemacht habe. Die Anwohner raunten da; ein gewagter Befund für ein Gebiet mit 120 Jahre alten, verbauten Industriehöfen und teils verwohnten Mietshäusern.

Am Ende beteiligten sich viele interessierte Bürger an einem ersten Brainstorming, einer Sammlung von sehr lokalen Problemen, Wünschen, Ideen und Vorschlägen. Weitere Veranstaltungen sollen im Jahresverlauf folgen, um daraus Ziele, Maßnahmen und mögliche Kosten zu destillieren. Frühestens Ende 2020 wird feststehen, ob der Langhansstraßen-Kiez dem Senat als Sanierungsgebiet vorgeschlagen werden kann.

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