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Für Tegel beginnt die Zukunft

Im November schließt der Flughafen, gibt visionären Ideen für Arbeiten und Wohnen Raum

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Stadtteil der kurzen Wege, grün und autofrei: Visualisierung einer Straßenszene im künftigen »Schumacher Quartier«
Ein Stadtteil der kurzen Wege, grün und autofrei: Visualisierung einer Straßenszene im künftigen »Schumacher Quartier«

Dass sich seit Bekanntgabe des Eröffnungstermins 31. Oktober 2020 des neuen Hauptstadtairports BER auch die Diskussion in der Stadt um die Zukunft von Tegel verändert hat, wurde bei einem Informationsevent am Mittwochabend in Schöneberg spürbar.

Bei der bereits 10. Standortkonferenz zur Nachnutzung von Tegel war der Veranstaltungsort, das alte Kühlhaus in der Luckenwalder Straße in Kreuzberg, rappelvoll. Der Veranstalter, die Tegel Projekt GmbH, sprach von gut 1000 Interessierten - und diesmal begleitete statt des Trennungsschmerzes der TXL-Anhänger vor allem Neugier mit einem guten Schlag Optimismus die Präsentation der Pläne für den Forschungs- und Wissenschaftscampus »Berlin TXL - Urban Tech Republic« und die Wohnstadt »Schumacher-Quartier«. Tegel Projekt entwickelt diese im Auftrag des Landes. Auf Großbildschirmen wurde sichtbar, auf welch grundlegende Weise sich das bisherige Tegeler Flughafengelände und sein Umfeld verändern wird.

Die Flughafengesellschaft BerlinBrandenburg hat sich beim BER und damit auch bei Tegel festgelegt: Am 8. November 2020 wird der Airport TXL schließen. Er muss dann zwar aus luftverkehrsrechtlichen Gründen noch sechs Monate betriebsbereit gehalten werden, doch längst sind die Vorbereitungen für die folgende Übernahme des Geländes und dessen Nachnutzung im Gange, wie Tegel-Projekt-Chef Philipp Boutellier versicherte. Schon in der Übergangsphase laufen Maßnahmen der Baufelderschließung an, auch die obligatorische Kampfmittelsuche und -beseitigung beginnt. »Und natürlich werden wir zeitgleich mit der Schließung von Tegel am Terminalkomplex mit Informationsange᠆boten präsent sein«, sagte er.

Was auf dem 495 Hektar großen Areal in den nächsten Jahren geschehen soll, wurde bereits im 2013 vom Senat beschlossenen Masterplan skizziert. Heute zeigen sich die Konturen klarer. In der »Urban Tech Republic«, einem Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien, sollen bis zu 1000 Unternehmen mit bis zu 20 000 Beschäftigten forschen, entwickeln und produzieren. In das denkmalgeschützte Terminalgebäude, Kern des gesamten Quartiers, werden mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin, die sich wegen des Antisemtismus’ ihres Namensgebers kürzlich für eine Umbenennung entschieden hat, mehr als 2500 Studierende einziehen. Insgesamt sollen am Campus Berlin TXL 5000 Menschen studieren.

Berlin TXL verspricht so etwas wie ein Versuchslabor zu werden für das, was das Leben in den Metropolen des 21. Jahrhunderts bestimmen dürfte: »der effiziente Einsatz von Energie, nachhaltiges Bauen, umweltschonende Mobilität, Recycling, die vernetzte Steuerung von Systemen, sauberes Wasser und der Einsatz neuer Materialien«, wie es heißt.

Wie das funktionieren soll, wird das »Schumacher Quartier« demonstrieren. Bis 2035 entstehen dort über 5000 Wohnungen, in denen 10 000 Menschen eine neue Qualität von Wohnen, Arbeiten und Freizeit leben können. In den Quartieren Cité Pasteur und TXL Nord nahebei sind weitere 4000 Wohnungen geplant.

Das »Schumacher Quartier« zählt, wie Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) im Podiumsgespräch betonte, zu Berlins größten Neubauvorhaben. »Umso wichtiger ist es, dass wir hier mit der Errichtung eines sozial-ökologischen Modellquartiers neue Wege in der Stadtentwicklung beschreiten«, sagte sie. Das gesamte Quartier soll daher aus Holz gebaut werden. »Die Holzbauweise ist eine zugleich bewährte und innovative Bautechnik und wird uns dabei unterstützen, ein weitgehend klimaneutrales Stadtquartier zu errichten.«

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