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Goldener Auftakt in die Hungermonate

Ringer Frank Stäbler gewinnt den EM-Titel. Sein Traum ist eine Olympiamedaille, doch dafür ist er noch zu schwer

  • Von Jörg Richter und Manuel Schwarz, Rom
  • Lesedauer: 3 Min.

Unweit des Kolosseums von Rom wähnte sich Frank Stäbler bei seinem fulminanten EM-Triumph auf dem Pfad der alten Gladiatoren. Seine allergrößte Herausforderung steht dem Ringer aber in den nächsten Monaten noch bevor. Angetrieben von der Goldmedaille bei den Europameisterschaften will er in einem halben Jahr zum glorreichen Finale seiner Karriere endlich doch noch Olympiasieger werden. Eine Medaille bei Sommerspielen fehlt dem dreimaligen Weltmeister und nun zweimaligen Europameister noch. Stäbler glaubt fest an den ganz großen Wurf. »Ich nehme die Euphoriewelle mit und schwimme darauf die nächsten fünfeinhalb Monate nach Tokio«, kündigte er an.

Frank Stäbler ist ein Phänomen: Sorgte er mit seinen drei WM-Titeln in drei verschiedenen Gewichtsklassen bereits für ein Novum in der langen Ringer-Geschichte, so schrieb er auch bei seiner letzten EM noch mal eine Erfolgsstory. »Bombastisch, hammermäßig, unglaublich - mir gehen die Superlative aus«, sagte er nach seinem hart erkämpften Finalsieg über den Georgier Juri Lomadze. Dabei war die EM vor allem als Teil der Vorbereitung für Olympia gedacht.

So jedoch ist dem 30-Jährigen ein Auftakt nach Maß in die letzte Tortur seiner Laufbahn gelungen. Mit der Aussicht auf Monate voller Entbehrungen genoss Stäbler die Momente seines Erfolgs, drehte mit Fahne und Trainern eine Ehrenrunde auf der Matte. Dann stieg er auf die Tribüne hinauf, wo er innig Frau und Tochter herzte.

Nach einem kurzen Urlaub wird sich Stäbler schon bald für den Traum von der Olympiamedaille quälen. Weil die für ihn ideale Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm in Tokio nicht olympisch sein wird, muss er in den nächsten Monaten kontinuierlich abnehmen, ehe in den letzten Tagen vor Olympia eine Extremdiät inklusive Nahrungs- und Wasserentzug ansteht. Vom Normalgewicht von 75 Kilogramm muss er auf die olympischen 67 Kilo runter - dabei hat Stäbler schon jetzt kaum Fett am Körper.

Und als wäre das Extremhungern nicht schwer genug, dürfte es in Tokio bei Hitze und hoher Feuchtigkeit noch härter werden. »Wir haben einen Masterplan«, berichtete Stäbler. Dennoch gebe es bei seinem Vorhaben »ganz, ganz viele Fragezeichen. Es wird spannend.«

Aber der ehrgeizige Athlet glaubt an sich - diese Einstellung ließ ihn schon fünf große Titel gewinnen und etliche Hürden überwinden. Wegen einer skurrilen Provinzposse darf er zu allem Überfluss nicht in die Trainingshalle seines Heimatortes Musberg. Er baute sich deshalb im alten Hühnerstall der Eltern einen eigenen Ringerraum und taufte diesen »Frank Stäbler Worldcamp«.

»Er kann jeden auf der Welt schlagen«, sagte Jannis Zamanduridis. Der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes erklärte, das EM-Gold sei für Stäbler ein »Meilenstein in Richtung Olympia, der ihn weiter festigt«. Er habe sich nun endgültig einen Namen erkämpft, so dass jeder, der gegen ihn antritt, automatisch verhaltener ringen werde.

Im Finale von Rom ließ er auch dem starken Lomadze keine Chance und gewann mit 6:2 nach Punkten, obwohl er eineinhalb Minuten vor Schluss »stehend k.o.« war, wie er erzählte. Aber Frank Stäbler ist ein Meister der Motivation. »Mein fünfter Titel ... unglaublich«, stammelte er danach. Nun gehe es auf die »Road to Tokyo«. dpa/nd

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