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Streik nimmt Auszeit

Annäherung zwischen Ameos-Konzern und der Gewerkschaft Verdi

  • Von Uwe Kraus, Bernburg
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Heuschrecke war 2016 für die Streikenden in Ameos-Kliniken Niedersachsens gebaut worden. Nun soll sie in Sachsen-Anhalt helfen.
Die Heuschrecke war 2016 für die Streikenden in Ameos-Kliniken Niedersachsens gebaut worden. Nun soll sie in Sachsen-Anhalt helfen.

Schien zu Beginn dieser Woche ein Ende des Erzwingungsstreiks der Beschäftigten des Ameos-Konzerns in Sachsen-Anhalt an den Kliniken in Bernburg, Staßfurt, Aschersleben und Haldensleben nicht absehbar, gibt es inzwischen eine so deutliche Annäherung, dass seit Mittwoch - nach zweieinhalb Wochen - dort nicht mehr im Notfall-, sondern im Normalmodus gearbeitet wird.

»Es war ein konstruktives Gespräch, das von Herrn Wiener auf hochprofessioneller und sachlicher Ebene geführt wurde«, erklärte am Mittwoch der Verdi-Tarifkoordinator Thomas Mühlenberg. »Es war das erste Mal bei Ameos der Wille erkennbar, aufeinander zuzugehen. Wir sind natürlich erleichtert«, betonte Mühlenberg. Frank-Ulrich Wiener hat mitten im Streik die Regionalgeschäftsführung Ost beim Schweizer Klinikunternehmen übernommen. Ameos stelle keine Vorbedingungen mehr für die Gespräche mit der Gewerkschaft.

Somit setzt Verdi nun die Streiks für vier Wochen aus. Diese Vereinbarung ist das Ergebnis eines dreistündigen Sondierungsgespräches zwischen der Konzernspitze und der Dienstleistungsgewerkschaft. Es sei dabei konstruktiv und respektvoll zugegangen, heißt es von den Gesprächsteilnehmern aus Bernburg. »So beginnen nun am 20. Februar um 14 Uhr in Aschersleben Tarifverhandlungen, die den Abschluss eines Tarifvertrages zum Ziel haben«, informiert der Verdi-Landesbezirksleiter Oliver Greie.

Nicht nur Politiker von Linke bis CDU sowie das Bündnis »Pflegeaufstand Hildesheim« stärkten in den vergangen Wochen den Streikenden demonstrativ die Rücken. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, Jan Korte, dessen Bundestagswahlkreis in Sachsen-Anhalt liegt, und seine Fraktionskollegen Sabine Zimmermann, Pascal Meiser und Harald Weinberg schrieben an die Ameos-Spitze in Zürich, sie halten das Vorgehen des Konzerns für inakzeptabel. »Tarifautonomie und Streikrecht haben in unserem Land Verfassungsrang. Als Abgeordnete des Deutschen Bundestags ist es unsere Pflicht, Sie darauf hinzuweisen, dass auch Ihr Unternehmen an diese grundlegenden demokratischen Regeln gebunden ist und sich mit dem aktuellen Verhalten höchstwahrscheinlich sogar strafbar macht.«

Der Landesvorsitzende der CDU Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht, hält das Agieren des Managements des Ameos-Konzerns für nicht nur unfair den Mitarbeitern gegenüber. »Ameos sollte sich seiner doppelten Verantwortung - den Mitarbeitern und der Bevölkerung gegenüber - bewusst sein und seine Unternehmensphilosophie dringend überdenken«, betonte er. Mario Karschunke, Landesgeschäftsführer der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, ergänzt: »Die Wertigkeit eines Unternehmens sind zu allererst seine Mitarbeiter, deswegen ist die Tarifautonomie in Deutschland ein hohes Gut. Dessen sollte sich Ameos bewusst sein.«

Die Landessozial- und Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) spricht von einer fahrlässigen Gefährdung aller Standorte durch möglichen Personal- und Fachkräftemangel. Nicht zuletzt, weil in den Streiktagen die Pflegedienstdirektorin und ihre Pflegedienstleiterin aus der bayerischen Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau in Aschersleben Pflegerinnen einen tarifgebundenen »Traumjob im Traumland« mit zahlreichen Extras anboten. Wer unterschrieb, bekommt ein Dinner auf der Zugspitze.

Doch die Skepsis bei den Streikenden ist nicht zu übersehen. Der Ameos-Regionalgeschäftsführer plädiert für eine offene Herangehensweise an die Problemlösung. Er scheint zu wissen, dass Image, Verlässlichkeit und Vertrauen beschädigt sind.

Einen Tag vor dem Tarifverhandlungsstart schaut Ameos erst einmal zum Bundesarbeitsgericht. Dort fällt eine Entscheidung über die Ansprüche der Beschäftigten ihrer Klinik in Halberstadt, deren Gehälter »eingefroren« wurden. Es soll um einen zweistelligen Millionenbetrag gehen, heißt es von Halberstädter Arbeitnehmervertretern.

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