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Miesmuscheln suchen Gifte im Meer

Im Rahmen dieses Projektes mit der Bezeichnung »North Sea Wrecks« (Nordseewracks), an dem sich acht europäische Nationen beteiligen, werden Miesmuscheln in Netzen an der womöglich in den Wracks nach wie vor lagernden Munition befestigt. Sind die Geschosse durch Korrosion schon derart durchlässig geworden, dass sie schädliche Sprengstoffe freigeben, werden diese giftigen Substanzen von den Muscheln aufgenommen. Sie dienen insofern als »Biomarker«, werden nach ihrem Einsatz in einem toxikologischen Institut auf eine mögliche Belastung hin untersucht.

Im Herbst 2019 hatte das in Bremen ansässige Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM), das die Aktion koordiniert, angekündigt: Zunächst würden Taucher Muschelnetze einholen, die im Wrack des seit 1942 auf dem Meeresgrund ruhenden deutschen Vorpostenbootes V 1302 und des im Jahr 1940 versenkten britischen Zerstörers HMS Basilisk befestigt worden waren. Dies ist geschehen. Die Ergebnisse der Untersuchungen sind jedoch noch nicht endgültig ausgewertet, erfuhr »nd« am Mittwoch vom Schifffahrtsmuseum. Vorläufige Ergebnisse würden nicht veröffentlicht, so das Museum, sondern »im Interesse der Glaubwürdigkeit des Projekts«, erst, wenn verlässliche Forschungsdaten gewonnen wurden.

Das Interesse der Öffentlichkeit an den Untersuchungen ist offensichtlich groß. Die Aktion wird aufmerksam verfolgt, unter anderem von der Enkelin des Reeders John Mahn. Diesen Namen trug auch sein Schiff, das der Hochseefischerei diente, bis dass es die Nazis beschlagnahmten und es als »Vorpostenboot 1302« einsetzten, womöglich zum Minensuchen.

Es wäre bedauerlich, wenn der Eindruck entstünde, der Großvater habe sein Boot freiwillig einem Regime zur Verfügung gestellt, für das er absolut nichts übrig hatte, betont die Enkelin. Sie meint: Die Bezeichnung des Fischereibootes als »Kriegsschiff« in Berichten könnte eventuell einen gegenteiligen Eindruck erwecken. Die Kriegsmarine hatte die 1927 in Hamburg gebaute »John Mahn« im September 1939 konfisziert und in V 1302 umbenannt. Am 12. Februar 1942 war sie von britischen Bomben versenkt worden.

2020 starten die North-Sea-Wrecks-Foschungsfahrten im Mai, heißt es vom DSM. Dann werden weitere Proben genommen. Mit ersten Ergebnissen sei frühestens im Sommer zu rechnen.

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