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Bodendienste wollen mehr Geld

Gewerkschaft fordert deutliche Einkommensverbesserung für Flughafen-Beschäftigte

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 3 Min.
Die Arbeiter am Boden haben einen knochenharten Job: Bei Wind und Wetter müssen die schweren Gepäckstücke verladen werden.
Die Arbeiter am Boden haben einen knochenharten Job: Bei Wind und Wetter müssen die schweren Gepäckstücke verladen werden.

Es geht um 250 Euro mehr. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert an diesem Freitag in der mittlerweile vierten Verhandlungsrunde seit Mitte Dezember 2019 deutliche Einkommensverbesserungen für die Beschäftigten im Abfertigungsbereich auf den Flughäfen Schönefeld und Tegel.

»Die Positionen liegen weit auseinander«, eine Lösung sei »in weiter Ferne«, sagte Verdi-Verhandlungsführer Enrico Rümker nach der letzten Verhandlungsrunde am 24. Januar 2020. Diese war ohne Durchbruch geblieben.

Der Allgemeine Verband der Wirtschaft für Berlin und Brandenburg vertritt darin die drei großen Firmen WISAG, Aeroground und die Swissport sowie die AHS, die ihren Betrieb Ende 2019 eingestellt hat. Die Unternehmen wollen eine Vertragslaufzeit von 36 Monaten, Verdi fordert hingegen einen relativ kurz laufenden Tarifvertrag für acht Monate. Dieser solle helfen, die Gehälter für die Beschäftigten »weiter zu entwickeln«.

»Es ist erforderlich, dass sich die Arbeitgeber bei der Vertragslaufzeit kompromissbereit zeigen, sonst droht auf den Berliner Flughäfen ein eigentlich vermeidbarer Konflikt«, so Enrico Rümker.

In Tegel und Schönefeld arbeiten über 2000 Beschäftigte. Ob Hitze oder Eisregen: Sie ent- und beladen die Flugzeuge, nehmen die Check-ins vor oder sind auf dem sogenannten Vorfeld mit dem Fahren von Abfertigungsfahrzeugen oder dem Einwinken von Flugzeugen betraut.

In den vergangenen Jahren sind die Fluggastzahlen erheblich angestiegen. Die Beschäftigten haben mit deutlichen Arbeitsverdichtungen und starken Belastungen zu kämpfen. Sicherheitsrisiken entstehen, weil ungeschulte Beschäftigte Tätigkeiten ausführen, für die sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Ein großer Teil der Beschäftigten in den Bodenverkehrsunternehmen ist zudem nur teilzeitbeschäftigt. Viele müssen aufstocken. Die Rentenansprüche sind gering. Damit verlagern nach Ansicht von Verdi die Firmen die unternehmerischen Risiken auf die Beschäftigten, die nur voll arbeiten dürfen, wenn es die Auftragslage hergibt.

Der zurzeit geltende Tarifvertrag, ausgehandelt 2017, ist allgemeinverbindlich und muss von allen Firmen angewendet werden, die Bodenverkehrsdienstleistungen anbieten.

Die Erinnerungen an den Streik vor fast genau drei Jahren dürften noch recht lebendig sein: Nach einer Urabstimmung gab es nahezu 100 Prozent Streikzustimmung bei den Berliner Beschäftigten, von denen ein großer Teil gewerkschaftlich organisiert ist. Mehrere Streiktage legten die Flughäfen lahm, hunderte Flüge fielen aus. Der damals unter der Vermittlung vom ehemaligen Innensenator Ehrhart Körting (SPD) erzielte Tarifkompromiss beinhaltete eine Laufzeit des Vertrags über drei Jahre. In vier Erhöhungsschritten wurden die Stundenlöhne in einigen Vergütungsgruppen bis zu 1,90 Euro erhöht.

Die anschließende Abstimmung über die Vertragsannahme erbrachte dann allerdings nur eine Zustimmung von 43,2 Prozent. 56,8 Prozent der Beschäftigten stimmten dafür, das Ergebnis abzulehnen und für weitere Streiks. Dafür wären jedoch mindestens 75 Prozent der Stimmen nötig gewesen. Kritisiert wurden unter anderem die lange Laufzeit des Tarifvertrages und die unzureichenden Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten.

Diese Punkte sind nun wieder auf dem Tableau. Auch viele Beschäftigte erinnern sich sicherlich noch an den Arbeitsausstand vor drei Jahren. Viele ihrer Forderungen sind aktuell.

»Die Stundenlöhne sind natürlich besser als vor zehn Jahren«, sagt Rümker zu »nd«, »aber sie stehen in keinem Verhältnis zu der derzeitigen Arbeitsbelastung.«

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