Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Generalstaatsanwaltschaft: »Wir ermitteln in alle Richtungen«

Das Motiv des Amokfahrers ist weiter unklar / 61 Menschen, darunter 20 Kinder wurden verletzt / Opfer zwischen 2 und 85 Jahren alt

  • Von Daniel Lücking
  • Lesedauer: 3 Min.

Volkmarsen. Nach der Amokfahrt, bei der nach erneut korrigierten Angaben 61 Menschen am Montag bei einem Fastnachtsumzug teilweise schwer verletzt worden sind, ist das Motiv des Fahrers weiterhin unklar. Nach Informationen der »Hessenschau« geht die ermittelnde Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main aber derzeit nicht von einem terroristischen Hintergrund aus. »Wir ermitteln in alle Richtungen«, sagte ein Sprecher. Mittlerweile wurde Haftbefehl gegen den Beschuldigten,unter anderem wegen versuchten Mordes, erlassen.

Derzeit gibt es kaum bestätigte Informationen über den Täter. Die Polizei weist darauf hin, dass auch Fotos, die im Internet kursieren, nicht den Täter zeigen würden.

Bisher ist bekannt, dass ein 29-Jähriger aus Volkmarsen am frühen Nachmittag ein Fahrzeug in die Menschenmenge am Rosenmontagsumzug steuerte. 61 Menschen wurden dabei verletzt, darunter 20 Kinder. Wie die Polizei Nordhessen am Dienstag meldet, waren 17 Personen in ambulanter Behandlung. Die Opfer sind zwischen 2 und 85 Jahren alt.
Der Täter wurde unmittelbar nach der Tat gestellt. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden war der Amokfahrer bisher nicht vernehmungsfähig und ebenfalls verletzt.

Zeugenberichte, der Täter habe seine Tat indirekt gegenüber einer Nachbarin angekündigt, sind derzeit nicht bestätigt. Auch Berichte über eine Alkoholfahrt dementierte die Generalanwaltschaft Frankfurt am Main mittlerweile. Der Mann war nicht alkoholisiert, meldet die Hessenschau in ihrem Liveblog. Ob er unter Drogeneinfluss gestanden habe, stehe noch nicht fest. Am Vortrag waren Medienberichte aufgetaucht, wonach der Verdächtige womöglich alkoholisiert gewesen war. Ermittlungen würden sich auf das Umfeld des Amokfahrers konzentrieren. Kontakte sowie das bisherige Leben des wohl polizeibekannten 29-Jährigen würden untersucht.

Nach Angaben von Polizeipräsident Gerhard Bereswill gab es auch noch eine zweite Festnahme. Ein Mann wurde wegen der Erstellung eines Gaffer-Videos festgenommen und derzeit ermittele man gegen ihn wegen »Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Filmaufnahmen« von den Opfern. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen soll der zweite Festgenommene hinter dem Auto gefilmt haben. Demnach war aber noch unklar, ob als Schaulustiger oder ob er eingeweiht war. Er sei bereits kurz nach dem Zwischenfall von der Polizei mitgenommen worden.

Falschinformationen und rechte Hetze

Schon unmittelbar nach der Tat setzte eine mittlerweile bekannte Dynamik ein. Durch Fragen nach der Nationalität des Täters und angeblichen Augenzeugeninformationen versuchten offenbar rechtsmotivierte Accounts das Tatgeschehen für politische Belange und Desinformationskampagnen zu instrumentalisieren.

Zwischen den beiden Taten in Volkmarsen und Hanau gibt es nach Angaben von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) keine Verbindung. In beiden Fällen würden die Ermittlungen mit Hochdruck geführt, sagte der Minister am Dienstag in Wiesbaden. »Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Hinweise, dass die beiden Taten in Zusammenhang stehen.«

Reaktionen in Hessen

In Hessen wurden als Vorsichtsmaßnahme zunächst alle Rosenmontagsumzüge abgebrochen. Ob Fastnachtsumzüge, die für den den Dienstag geplant sind, stattfinden werden, bespricht die Polizei derzeit mit den Veranstaltern.

Volkmarsens Bürgermeister Hartmut Linnekugel (parteilos) sagte: »Wir sind alle betroffen, alle tief geschockt.« Im Rathaus sei ein Notlagezentrum mit Seelsorge und Polizeikräften eingerichtet worden, das bis Dienstag geöffnet bleibe. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zeigte sich betroffen und sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. »Ich bin schockiert über diese schlimme Tat, durch die viele unschuldige Menschen zum Teil schwer verletzt worden sind. Ich bin mit meinen Gedanken bei den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden und wünsche allen eine schnelle und vollständige Genesung.« Mit Agenturen/Hessenschau/nd

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln